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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1919-01-01 · 1-2 (1919) · p. Seite 25

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
21 (1919)
Issue
1-2 (1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 25 (sequence 27)
Language
German
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— 25 - Dem ältesten Jd. war die Apocope des auslautenden -e nicht eigen Im Gegenteil, das Endungs-e wurde übermäßig von Juden angebracht In den jd. Glossen aus dem XII., XIII. Jahrh. heißt es: Reitwage, Kochre, Aale, Stachle. Im XV. Jahrh. tritt Isserlein für die Schreibweise Taubre, Egre, Basle ein, er erklärt, daß man in vielen Ländern „Haus'1 sagt, demnach sagen solche, die scharf (explosiv) sprechen, nur Hause. Levita schrieb zu Beginn des XVI. Jahrh. „grope" <a£ri:> für grob. Noch im XVII. Jahrh. schrieb Glücke! von Hameln „dere" statt „der", „ich weise mage" für „weiß mag" (Landau in Mitt zur jüd. Volkskunde, ib. 43). Das auslautende, übermäßige e ist altes Deutsch. Irn Mhd. sprach man neben kocher auch kochaere. Im Althochdeutsch lautete es: cohhar, •chochari, chochare.1) In Böhmen schrieben die mittelalterlichen Deutsehen des XIII.-XV. Jahrh. absagunge, lernunge, abscheidunge (Jeilinek s. v.). Im Althochdeutsch sprach man unde, vrouvv, liere und erst später verlor sich das e. In der älteren Periode des Althochdeutsch vertrat dieses Schluß-e ein anderer kräftigere/ Vokal, das o oder auch a: aro (Aar), baleo (Balken), bero (Bär). In den deutschen Glossen bei Hrabanus Maurus lesen wir: giumo für Gaumen, Galla für Galle. J-ebera für Leber.2) Möglich, daß in den altdeutsch-jüdischen (ilossen statt „e" auch ,,a" oder ,,o" zu lesen ist, da das „alef", das das e ■andeuten soll, mehrdeutig sein kann. Das auslautende -e räumte mit der Zeit unter dem Einfluß der Apocopebewegung, die ganz Ober- und Teile Mitteldeutschlands umfaßte, auch bei den Juiden den platz. Das Schluß-alef dünkte manchem als überflüssige Zierde und wurde nach einer jd. orthographischen Regel aus dem X'VI. Jahrh. bereits damals nach Vokalen, wie bei zwei, drei als ,.Zier'* verwendet (Sittenbuch 1542). Güdemann wollte das Zier-.e bei den Juden hoch hinaufdatieren und aus der Fremde herleiten; er erklärte das Schluß-alef in den Glossen bei Raschi, Rokearfi u. s. w. für eine orthographische Nachbildung des französischen stummen e bei diesen Auroren französischer Landesangehörigkeit. „Es pflegt deutschen Hauptwörtern im Singular ^in stummes c entsprechend dem stummen e des Auslautes im Französischen angehängt zu werden" (1 278;. Güdemanns Behauptung stimmt schon nicht aus Rücksicht auf den Sachverhalt der deutschen Sprache in jener Zeit. Dazu ist auch die Voraussetzung des französischen emuet Dei den Juden der hampaQgne oder deren Exulanten am Rhein in jenen Jahrhunderten des Mittelalters vollständig irrig. Wie aus jüdisch-französischen Handschriften aus dem Beginn des XIV. Jahrh hervorgeht, sprachen die Juden Frankreichs zur damaligen Zeit das weibliche stumme e noch vollständig aus, sie schrieben das Schluß- 1) Schack. Altdeutsches Wörterbuch s. v., Halle 1872 l $82. 2) Hrabanus Maurus: Glossae latino barbaricae de partibus humani corporis. Migne CX1I, 1376.

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