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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1919-01-01 · 1-2 (1919) · p. Seite 24

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
21 (1919)
Issue
1-2 (1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 24 (sequence 26)
Language
German
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— 24 — ziemlich früh <da£ e in „ge" vor Vokalen und vor w und n (gwesenr gwalt, gnosisenschaft). Wenig genaue bajuvarisehe Schreiber ließen in ihrem Schriftdeutsch auch vor anderen Konsonanten im Präfix gedas e weg. Im heutigen Kärntnerisch sagt man: gsmach, gschpant, gschräe (texer, KWB 123). Die Synkopiemng des „e" in geim Jd. ist bereits in „gsagt" im XV. Jajhrri. in Wr-Neustadt festzustellen (Schweinburg-Eibenschütz 11). Im jd. Arthurroman aus dem XVI. Jahrh. wird vor einem I das e in geganz weggelassen, sonst wird ge- (genähren) oder gi (gisegnen) geschrieben. In „be" als Präfix wurde das „e" von Juden im XV. Jahrh. synkopiert (vergl. „bken" für bekennen, im heutigen Jd. bakenyn, Schweinburg-Eibenschütz il). Das e fällt in der Schlußsilbe im Jd. aus: in Substantiven vor einem 1, n, nd (Himmel-himl, Frieden-frijdn, abendüwnt), in Verben vor dem Infinitiv-n in allen deutschen Zeitwörtern mit Ausnahme solcher, deren e einen Vokal oder ein h, m, n, ng und nk zum Vorgänger hat (käuen, sehen, leimen, weinen, kränken, singen). In slavischen und hebräischen Worten behält das Infinit-en seine Gestalt mit einer Umänderung in «yn in Gänze. Das Schluß-e wird im' Jd. in allen deutschen Worten apokopiert (Auge-Oig, Seife-saif, nehme-nem, lebe-iejb, (Plural) Freunde-fraand, Fische-fisch, Wölfe-Welf). Ausgenommen sind bloß einige Worte auf -ei, Jüdin, Bohne, Brunne, das Wort Erbse, das im Jd. das „s" verlor,, die Feminin- und Pluralendungen von Adjektiven (große, kleine) und Eigennamen (Blume), in allen diesen Fällen bleibt das e weiten zu y abgestumpft, (Jydyne, Bojny, Bryny; \ arby; groissy, klajnv; Blijmy). „Blume" als Pflanzenbezeichnung wird im Jd. apokopiert und lautet „Blum". Ueherflüssig wird im Jd. ein tonloses in „y" übergehendes „e" in knapp-knapy angefügt. Die Apocope des Schluß-e im Verbuni und Substantivum ist bei den Bajuvaren slchon seit dem XIII. Jahrh. allgemein. Selbst das Plural-e unterliegt im Bayr. der Apocope (Weinhold II 30, 341, Brenner 78). In der katholischen," auf bayrischer Grundlage aufgebauten Schriftsprache Oberdeutschlands des XVI.-XVIII. Jahrh. war das Schluß-e nicht gebräuchlich. Gegen die Schreibung der Worte Liebe,. Sonne, Blume mit einem -e am Ende regten noch im XVIII. Jahrh. oberdeutsche Katholiken zum Widerspruch an, als protestantischen Import, als Eigentümlichkeit der lutherischen Bibel.1) Die Sparsamkeit mit dem Endungs-e ist in Deutschland nicht einmal spezifisch bayrisch. Auch die Alemannen apokopieren das Schluß-e. Ebenso beseitigte die westmitteldeutsche Mundart Hessens auslautendes -e mit Ausnahme der Familiennamen (Reiss 41). Erhalten ist das e in dem größeren Teil Ostmitteldeutschlands, wie auch in Westfalen, Südbrandenburg und Nordniederrhein. In Nordiwestböhmen ist das Auslaut-e überall ausgefallen mit Ausnahme der Flexionsendungen bei Adjektiven (Nom. Acc. Sg. Fem * Noni. Acc. Plur.) (Hausenblas 711). *) Max Kemmerich: Kulturkuriosa, II 133, München 1910.

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