Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 21 (1919)
- Issue
- 1-2 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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- 23 - Das Wort „er" wird von Juden nie anders als ejr joder ejer, keinesfalls ■jedreh ajr gesprochen und die im Anhang des Sittenbuches geschriebene Form'TN» zeigt vielleicht das i des gebrochenen e im mbd. er an Dem Beweise aus der Schreibweise des Zere durch Jod für ej-aj stellt sich su manches entgegen. Für e und i schrieben dasselbe jod sowohl die italienischen1) wie auch die spagnolischen, wie auch die alten rabbinischen Juden bei ihren Entlehnungen aus den klassischen Sprachen,2) sie mochten es von den Syrern gehabt haben, die das Chefozo wie e aussprachen. :sj Allerdings machten die italienischen, spanischen und altrabb. Juden keinen Unterschied zwischen einem durch ajin und einem durch Jod angedeuteten „e". Levita, der mit ajin und Ssegol das kurze e hervorhebt, schreibt idas tonlose e in Fackel mit Zere (3), zweifellos handelt es sich um einen Druckfehler, das senkrechte Schwa wurde irrtümlich horizontal gelegt. Vielleicht -herrschte in Teilen des deutschen Judentums eine umgekehrte Aus- -sprache der Zere-Laul(e in früheren Zeiten vor. Im Inlaut e durch jod drückten bei gewissen Worten auch die Syrer aus. Die iHypothese Güdemanns, daß der l/ebergang von got. liban, lisan, zu deutsch ieben, lesen die Juden zur Verwendung desselben Buchstaben für i und e veranlaßte, (III, 285) ist zu enge gefaßt. Nicht zur Kategorie des «-Lautes gehört jenes jod, das bereits in älteren jd. Schriftstücken das in Präfixen zu einem i verdumpfte e darstellt. Wagenseil belehrt gegen Ende des XVII. Jahrh.: „Wann nach dem Anfangsbuchstaben ein kurzes e folgt, wird solches nit durch ajin (e), sondern durch jod angezeigt als gihaltn, giwesen. hingegen das lange e erfordert am Anfange ein ajin als gessingfelt Wann ein kurzes e in den letzten Sylben eines Wortes befindlich, wird es ebenmäßig bisweilen djurch ein Jod, meistenteils aber gar nicht ausgedrückt." (Wagenseil 187.) Tatsächlich kam es in der jd. Orthographie bei ajin-e nicht auf Länge oder Kürze an, sondern ob es überhaupt gesprochen wird. Bei Präfixen und in Schlußsilben, bei Plural- und Infinitivendungen wird das „e" entweder einem i gleich im Jd. ausgesprochen oder überhaupt synkopiert. Gottfried Selig berichtet nun ein Jahrh. später ähnliches: „Ajin ist in jd. Worten bloß wie ein langes e zu betrachten, indem das kurze (-= eigentlich kaum hörbare) entweder durch den Buchstaben Jod, zuweiPen mit He ausgedrückt oder ganz weggelassen ist als: schreibn, sogn, losn (34)." IL Das e fällt im Jd. oft aus. Das e wird im Präfix geim Jd. regelmäßig synkopiert: gesagtgsugt, gesessen-gsessen. Sehr oft wird jedoch in diesem Falle ein stumpfes y gehört: gysugt, gysessen. Ebenso schwand im Bajuv. schon t) Gustavo Sacerdote in Rendiconti d. R. Ad. dei Linzill. CL di Sc. Mor. stor. et fil Roma 1892 V, 316. 2) S. Krauss: Gr. und lat. Lehnwörter, 16. Berlin 1898. 3) Pinsker 30.