Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 21 (1919)
- Issue
- 1-2 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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— 22 — Jemen ist bei dem! Zere ein Jod hörbar. Während das Ssegol geschlossen ist, wird in Süddeutschland das Zere wie ein ej ausgesprochen. In Daghestan sprechen die Juden das Chirek (i i«), Zere und Ssego! alle samt und sonders als i.1) Im babylonischen Punktationssystem der «Juden fehlt das Ssegol und wird von Pathach, Zere, Chirek vertreten.2) Das Zere scheint schon in alter Zeit bei den Juden geschwankt zu haben. In der Septuag|inta, wo in den meisten Fällen •das Zere durch 7) (itazistisch gesprochen i) _ A<r/jp IfipaTiX _ und Segol durch 1 (AßtjxsXt^) transkribiert wird und ein richtiges e (s) für dasselbe eine große Seltenheit ist (Aeoi), kommt dennoch Astoc regelmäßig für nxb vor und wird das Zere, wo ein Jod quiescens folgt* durch ein ai umschrieben: A&au, ~ Ebv, Batfr (Frankel 115). Origenes mit seiner durchgreifenden okzidjentalisch-jüdischen. Tran skribierung hebräischer Laute setzt in seinen Hexapla für ein Zere konsequent ein s *Sg eXat, (Gen. 29, 34), ^ir.B: vs<p{rouls (Gen. 30, 8). Das Wort schreibt er durch ßyjv, zweifellos aus Rücksicht auf das ruhende Jod nach Zere, das' ihn i-artig anmutete, wobei er itazistisch schielte. Im Phönizischen hatten sowohl Ssegol wie Zere merkwürdig die Aussprache der heutigen daghestanischen Juden und auch zum großen Jeile der* alexandrinischen Juden in ptolemäischer Zeit, nämlich i oder y, wie dies klar aus der Transkription bei Plautus hervorgeht. Die Phönizier scheinen überhaupt gegen den Doppelvokal „ai" eine Aversion besessen zu haben. Selbst in Worten, wo das „aj" durch Konsonanten im Hebräischen belegt ist, sprachen die Phönizier, die allerdings diese Worte auch mit den eigenen Schriftzeichen plene schrieben, nach dem Zeugnis des Plautus'schen Textes, nicht bajith, schamajim, zajith, sondern beth, samem, zeth (seth) (Rosenberg 70). Ein Teil der aschkenasischen Juden dürfte unter dein Einflüsse der aj-Aussprache des langen hebräischen Zere-e auch die deutschen Worte in diesem Sinne geändert haben. Es ist jedoch auch die Möglichkeit nicht ganz von der Hand zu weisen, daß hier bajuvarische Lautfaktoren, vielleicht speziell Kärntens mit im Spiele waren. Wann diese Diphtongisierung des e bei den aschkenasischen Juden sich auch auf deutsche Worte erstreckte, ist kaum nachweisbar. Die Juden schrieben schon im XVI. Jahrh. oft das Zere bei deutschen Worten mit e, gleich einem i: mit einem Joidl. In dem Anhang dete im Jahre 1542 gedruckten jd. Sittenbuches heißt es „Erstlichen ist?zuj -Wissen, daß jein Jod bringt ein Chirek (i) und ein Zere (dich, nit, er Cy&>* gehn (p:> und ein ajin bringt ein Segol". Es muß also damals bereits ein prinzipieller Unterschied zwischen einem Ssegol und einem Zere bei den aschkenasischen Juden Deutschlands bestanden haben, wobei das Zere zum Chirek hingehörte, also etwa ej 'oder aj. ^7deisohn in MWGJ 1913. 539, 745, 703 f, 712. 2) Pinsker 30.