Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 21 (1919)
- Issue
- 1-2 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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— 21 — Das in aj umgewandelte e ißt in der Regel altes ungebrochene* e,. das einzige mir bekannte Beispiel von einer Umwandlung eines gebrochenen mhd. e im. Jd. in ein aj ist iajb von lewe (Löwe). Es ist wahrscheinlich, daß diese Ausnahmsstellung durch slavischen Einfluß (lew mit Umwandlung des w in ein b) im Jd. bewirkt wurde. Mit Ausnahme dieser einzelinen Vokabel wird das e in allen deutschen Worten mit einfachen Konsonanten im Jd. nie zu aj verändert: Mehlmejl (mhd. mel), Regen-rejgn (mhd. regen), beten-bejtn (mhd. beten), sehen-sejyn (mhd. sehen), Nebel-neb* (mhd. nebel), Feder-fejder (utltd. veder), scheeren-schejrn (mhd. scheren), Weg-wejg (mhd. weg). Altes e, das nie gebrochen war, erhielt sich im westlichen Südjd. in alter Gestalt in den Worten kehren-kejrn (mhd. keren), Rettich-rejtech (retich), Treher(Trähne)-Trej£r, zehren-zejrn (zeren). Die Umwandlung des e ijn aj hat in den deutschen Mundarten bloü wenige, und zwar nur sporadisch vorkommende Parallelen aufzuweisen. In manchen Gegenden Altbayerns, Frankens und der Pfalz spricht man für Schnee, geh: Schnei, geih (Brenner 40), so war es auch in Kärnten in älterer Zeit, wie aus einer Sammlung Jkämtnerischer Idiotismen früheren Datums hervorgeht (Weinhokf ü 73, 83). In der niederösterreichischen Mundart spricht man Schwester-schweister1), doch ist dies keine Parallele, da es isScfh! ufm ein kurzfejs e imit folgendem Doppelkonsonanten handelt, was im Jd. das e nie zu einem aj erweitert. Im Gegensatz zu dem Juden behält der Niederösterreicher das e in gen (gehen), sten (stehen) unverändert bei. „Geit" für „geht" spricht auch der Zipser Deutsche (Schröer 18). Im Gegensatz zum Lautwandel ü—ou?,. oti —oi hat die Verschiebung des offenen, im Mhd. ungebrochenen e im westlichen Südjd. in ein aj ihre Entsprechung auch in der Aussprache des Hebräischen. Der galizisch-kongreßpolnische Jude spricht das von Grammatikern als. langes e angesehene hebräische Zere wie ein aj aus, dagegen das kurze e (Ssegol) beim Lesen des Hebräischen immer wie ein e. Allerdings ist in der mündlichen Sprache bei so mandicm hebräischen Lehnwort, dessen Ssegol offen ist, das alte kurze e in ein offenes breites aj umgebildet worden (melech-rnajlech, pessach-pajsseeh, kewer-kajwern schekez-schajgyz, peger-pajger, scheker-schajker, peri-pajry, keli-kajly, cheder-chajder, perek-pajrik, nefel-najfajy, Elieser-1 ajser, kefel-kaij.fi. Die aj-Aussprache des Zere scheint ein Erbstück der östlichen Judengruppe, ähnlich dem Kamez gadol o, zu sein. Während die heutigen Samaritaner Zere und Ssegol gleich a, die spagnoüschen Juden gleich e lesen, die alten französischen Juden im XIII. Jahrh. den Unterschied zwischen einem offenen und geschlossenen e in ihrer Transkription französischer Worte durch Zere bezw. Ssegol ausdrückten und in Marokko in eigenartiger Abweichung die Juden das Zere und das Ssegol i aussprechen, klingt bei den Juden in Bahylonien das Zere e fj, wobei das j konsonantischen Laut wert hat, in Persien das Zere wie ei. in 0 Nagl 8.