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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1919-01-01 · 1-2 (1919) · p. Seite 20

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
21 (1919)
Issue
1-2 (1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 20 (sequence 22)
Language
German
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— 20 — -entstanden, in ein ä: Herz-harz (mhd. herz), Herr-haar (herre), schmerzer*-schmarzn (Bedeutung auf jucken eingeengt) (mhd. smerzen, st e r b enstarbn (mhd. sterbn), Berg-barik (mhd. berc), werfen-warfn (mhd. werfen), Scherben-scharbn (mhd. scherbe); ver-var (mhd. ver, e ungebrochen), Werk-wark, (Eßwark, Kyndwark), herb-harb (mhd. herb), gerben-garben (mhd. gerben), fertig-fartig (mhd. verde, geschieht zum Unterschied von vertic-vorjährig). A für e besteht auch im Bayr. unter dem Einfluß des folgenden r. (Wejnhold, 1 51.) Auch sonst hieß es im Mhd. zuweilen a für nhd. e, z. B. seharben neben scherben als Verbum (in kleine Stücke schineiden). Das a ist, als vor zwei Konsonanten stehend, in sämtlichen angeführten Worten, mit Ausnahme von Herr-haar, das auch im Mhd. einen Konsonanten ausschaltete (her, her, er), kurz. Bei Berg-baric vermochte das eingeschaltete Svarabhakti i und die dadurch bewirkte Einfachheit des dem e-a folgenden r keine Länge hervorzurufen. In Krakau sprechen die Juden e vor ch oft wie a: rechnen-rachynyn. D n e mit nachfolgendem Doppelmitlaut entspricht in einigen Worten im Jd. y: grellen-grvJn. bellen-byln, Wahrscheinlich hallt in diesem y das Echo des ehemaligen gebrochenen e in den mhd. Ahnen dieser Worte (grellen, bellen). Zu „y" stumpft sich das „e" im Jd ab in tonlosen Silben, wie auch in Fällen, wo es vor n od/er im Auslaute beibehalten wird. Die Abstumpfung von tonlosem e zu i ist ostmitteldeutsch (Rückert 34). Das offene e im Präfix ,,be" wird im Jd. regelmäßig zu einem a (beweisen-bawaasn, bewegen-bawejgn, bereden-baredn, besehen-basejn). Derselbe Lautwandel vollzieht sich auch im Bajuv. der mhd. Zeit (Bäscheidenheit, Weihhold, II 21). Das c vor einem einzelnen Mitlaut verwandelt sich im Jd. in einigen Worten, speziell in den südlichen Gebieten Polens in einen Diphtong oi: kehlen- (abkehlen—schlachten) koifvn. Jesus- Joisl (im Jd. ein Nomenappellativum für jede christliche Statue, darum auch mit unbestimmtem Artikel gebracht). In großen Teilen des jd. Sprachgebietes, im westlichen Rayon des Südjd., bei den Juden Galiziens mit Ausnahme seines südöstlichen Winkels, wie auch bei denen Kongreßpolens, wird bei einer ganzen Reihe von Worten mit einfachen Konsonanten statt e der Diphtong aJ gesprochen, so: edel-ajdl. gegen-kajg,n, gehen-gajn, heben-hajbn, Hefehajwn, Kren-krajn, Lehm-lajm, legen-tajgn, Schnee-schnaj, stehen-stajn, .wehe-waj. Aehnlich lautete es einst im Westjiddisch, zumindest im XVIII. Jahrh., nach dem Bericht Gottfried Seligs, geit statt geht.') Bei Grabbe (Napoleon 5. Aufz., 2. Szene zirka 1830) wird ein 3erliner Jude mit „Fleit", „wai" statt „Flöte",;,weh" gefrozzelt. Im Elsässer Judendialekt spricht man noch heute geih, steih für gehe, stehe2), so auch in Posen. >) Gottfried Selig 34. 2) Halter: Die Mundarten im Elsaß 117.

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