Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 21 (1919)
- Issue
- 1-2 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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— 19 - nxaas, Häuser-haaser, Kräuter-kraater, Gräuplich (Graupen)-Graaplech;. Schräufel(Schraube)-Schraafl, käulechtig(käul)kaaiechtig), im Nordjd. dagegen wie ein aj (majs, haiser, kraiter usw.), was gewiß ursprünglicher ist. In der jd. Orthographie wird in allen diesen Fällen immer au durch aj (•*). losgedrückt Die Aussprache von äu wie offenes ai ist noch heute im Bajuw. üblich (Weinh. II. 77), die mhd. Entsprechung für äu war iu (miuse,. hiuse, kriuter). E 1 ist im Jd. gerade .wie im Hochdeutschen im allgemeinen vor zwei Konsonanten kurz (Kelter, setzen, Teller, Treppe, Wechsel, Bett., schleppen, lecken), vor einfachen Konsonanten lang mit nachklingendem j (fejder-Leder, iejhn-Leben, rejgn-Regen, bejtn-beten, Mejf-Mehl, bafejln-befehlen). Wie bei jeder Regel lassen sich auch hier gewisse Ausnahmen feststellen, die gerade durch ihre Sonderursachen die Richtigkeit der allgemeinen Regel belegen. Rettich und Pferd lauten im Jd. lang „Rejtech" und „Feejrt", w*iil im Mh»d. bjeid<en e ein einfacher Konsonant folgte: retich, pferit. Becher ist im Jd. gerade wie im Hochdeutschen mit kurzem e in der ersten Silbe, trotz einfachem „eh", weil dieses Wort auf das mittellateinische beccar mit doppeltem: c zurückgeht und im Deutschen das ch nicht geminiert werd/en kann. Ungerechtfertigte Dehnungen des e vor Dopipelkonsonanten im Jd. erklären sieb anderwrärts wieder daher, daß dieses „e" im Mhd. gebrochen war, aus einem i stammte und daher ein im Jd. nachklingendes, oft bis zu einem Konsonanten-j, sich verlängerndes und intensivieriendes i bereits in der Wurzel und Anlage besaß. Der Jude sagt: kejler für Keller, pejrl für Perle, gejrn für gerne» stejrn für Stern, nejst für Nest, weil diese Worte im Mhd. keller, perle (berle), gern, stern, nest lauteten. Ebenso dehnte sich das e im Jd. vor zwei Konsonanten infolge seiner gebrochenen Herkunft (e-i) bis zu einem Selbstlaut aus in Erde-ejert(erde), Schwert-schwejert, Ferse-fejerscht (verse), so auch der-dejer(der). Unverändert kurz stellt sich im Jd. das gebrochene e in steppen* vielleicht ist es bei den Juden ein spät aus dem Nhd. hinzugekommenes Lehnwort. Sonst bewahrt Küräe das gebrochene e vor Doppelkonsonanten im Jd. nur dann, wenn es in ein a oder y verwandelt wird. Eigentümlich ist die Kürze trotz gebrochenem e und dazu nach folgendem einfachen Konsonanten in nehmen jd. nemyn (mhd. nemen), wohl weil dies e auch im Mhd. kurz war. Reden als Verbum hat im Jd. zumeist kurzes e im Gegensatz zu „Rede", Substantiv (rejd, in manchen Gegenden rajd), was vielleicht im Jd. der Niederschlag des verlorengegangenen mhd. Verbums reden (sieben) ist, und bleibt darum umso verwunderlicher. Das e vor einem Doppelkonsonanten verwandelt sich im Jd. bei manchen Worten vor r, ohne Rücksicht ob alten Ursprungs oder aus i 3*