Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 21 (1919)
- Issue
- 1-2 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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- 18 — glaubst, verkaafe-verkaufe, iaafe-laufe, Baam-Baum (Reiß 75); so auch im obersächsischen Nordwestböhmen (Hausenblas- 33). Jd. ou für mhd. langes ü, das in der nhd. Schriftspracht au lautet entspricht der bayrischen. Proinunziation im XII.—XIV. jahrhu (Weinhold, II 76, 102). Die litauische Aussprache oi in diesem Falle ist eine interne Abweichung, die in der deutschen Dialektologie keine Parallele hat. Die Diphtongisierung des mhd. ü schwankte ziemlich lange im Jd. In der jd. Eintragung aus Wr.-Neuistadt (Ende des XV. Jahrh.) befindet sich ne'ben „Haust", „Auszug" auch „uf" für „auf" (Schwemburg- Eibenschütz 12), ebenso wird nhd. au aus u in den jd. Volksliedern »aus Worms (1595—1605) bald durch u, bald durch ou wiedergegeben (Zschr. GJD., II 237). Gegenwärtig kommt in Westgalizien bei den Jude;! zuweilen noch „yf" statt „auf" vor. Im südlichen Rußland hat sich auch strichweise langes mhd. ü bei dien Juden erhalten. Das Schwanken mag von dem Minoritätsdialekten eigentümlichen» Archaisierungsbestreben herrühren. Es kann aber auch <?er Einfluß mancher deutschen Dialekte gegen die Diphtongisierung hier im Spiele gewesen sein. Die meisten mitteldeutschen Dialekte wie auch die alemannische Mundart widerstreben bis heute der Umbildung des alten mhd. ü in ein au (Rückert 89, Weinhold 1 07, 15), wiewohl in Bayern die Diphtongisierung des mhd. ü schon im XII. Jahrh. erfolgte und in Schlesien seit der 2. Hälfte des XIV. Jahrh. 'Fälle der Diphtongisierung sich mehrten. Zu bemerken ist, daß dem Lautwandel des langen mhd. u keine Aenderung in der Aussprache des langen hebräischen u (Schuck) im Munde der aschkenasisdhen Juden folgte. Dies belegt mittelbar die Originalität des Käme/, gadol o. Ä Ä wird im Jd. allgemein bei nachfolgenden Doppelkonsonanten wie ein kurzes e gesprochen (kränk en-krenkyn, Wände-wend, Kändlpkeirf, Ländl-lendi), bei nachfolgenden einfachen Konsonanten lautet es wie ein langes e mit nachklingendem j (schämen-schejmyn, Hähnehejner, Wägen-wejgn, klären-klejrn, Täg(Tage)-Tejg, mäg?(mag)-mejg). Im westlichen üalizien und Russisch-Polen lautet das „ä" in Mädel- MajdJ wie aj. Das kommt daher, weil das Zurückgehen auf „Maid" noch phonetisch von den Juden empfunden wird. .,Zählen und schalen' lauten westl. südjd „zajl'n, schajln", weil ihre mhd. Form „zelen, schein" war und das ä nicht organisch ist. Bei wählen (welen mhd.) blieb das ä dennoch im Jd. in entsprechendem „ej". Die Gleichsetzung von ä und e ist auch im Bajuwar. allgemeiner Grundsatz. Bei den Bajuwaren sind ä und e bloß verschiedene Schriftzeichen, aber keine verschiedenen Laute. Äu Äu wird im Südjd. wie ein langes ä (— aa) gesprochen (Mäuse-