Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 21 (1919)
- Issue
- 1-2 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Gaumen vertrat im Mhd. ein ue, event. uo (guem, guome). im nördlichen Teile Hesisens sagt man gloiben oder auch glebe (Reiss 50). „Geloffen" ist eine alte bayr. Kürzung (Weinhold II 37). Schaukeln geht auf mhd. „schock" zurück. Diese Einordnung hat manche scheinbare Ausnahmen. „Taugen" lautete im mhd. tugen, dennoch heißt es* im! Südjd. toigen und nicht tougen. Die jd. Wortform geht auf die jüngere seit dem XIH. Jahrb. nachweisbare schwache Nebenform tougen zurück. Diese war sowohl im Bayrischen,1) wie im Alemannischen2» üblich. Für Hans Sachs iklangen Auge (aus ouge) und tougen gleichmäßig:, er reimte mit beiden. (Im Jd. klingt es dig-ljoig.) „Auch", mhd. puch, wird in mehreren Teilen Osteuropas von den Juden, durch falsche Analogie verleitet, ouch gesprochen, in Wolhynien dagegen (z. B. in Brody) oich, so auch in Russ.-Podolien. Worte, die in der Neuzeit eingedrungen sind, fallen selbstverständlich nicht unter dieses. Gesetz. Der Jude kann bei einem neurezipierten deutschen Worte kaum seine ursprüngliche mhd. Gestalt herausfühlen. „Hauptmann" klingt im gal.-poln.-ujkr. Südjd. „hotiptmän", obwohl es im Mhd. „houbetman" gelautet hat und bei einer Rezeption in mhd. Zeit dieses Wort im heutigen Jd. unbedingt hoiptman gelautet hätte. Das Wort „Frau" wird von den galizischen Juden in der Neuzeit „fron4' ausgesprochen. Hier handelt es sich um einen Fall, wo der Einfluß der Kultur den Sprachschatz auch lautlich modelte. .Vor einigen Generationen war im jd. Galiziens auch „troi" gebräuchlich, den Lautgesetzen der jd. Sprache entsprechend aus mhd. vromve, vrowe entstanden. Mit dem Eindringen der Begriffe vom modernen Frauentum kam zu den Juden auch das nhd. Wort „Frau" und verdrängte aus dem Munde der Juden die ältere Form dieses Wortes. Dieselbe Erscheinung, daß mundartliche Laute bei manchen Vokabeln vom Schriftsprachlichen verdrängt werden, ist in den Volksdialekten Deutschlands in den verschiedensten Städten, wo die Ausstrahlung der neuzeitlichen Kultur auf die Massen eine stärkt isfi, so in Nürnberg, Köln, Mainz, Worms zu beobachten. (O. Weise U. M. 13.) Mhd. ou als oi ist in deutschen Dialekten große Seltenheit und bloß dem Niederalemannischen eigentümlich (Weinhold, i. 65). Mhd. ou als ej ist ebensowenig in der Volkssprache Deutschlands verbreitet Eine gewisse Aehnlichkeit hat das ai für mhd. ou im niederalemannischen Oberbischofsheim (Saum-saim, Rauch-raich, kaufen-kaifen)a) und das ae für mhd. ou bei den Grunddörfern in der Grafschaft Mansfeld in Obersachsen westlich von Eisleben (Stauh-staep, Gelaufe-gelaefe., Rauch-raech).') Die niederalemannischen wie auch die obersächsischen Analol) Karl Weinhold: Bayrische Grammatik 336. *) idem: Alemannische Grammatik 410. *) Zeitschr. für hd. Ma, 1 329. *) ib. II, 113.