Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 21 (1919)
- Issue
- 1-2 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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— 15 - Tische Sprache, die keine lange Lauteritwicklung bei Festlegung der Vokalisation zur Zeit der Abfassung des Korans hinter sich hatte. Merkwürdig ist es jedoch, daß die arabischen Volksmassen im Palästina der Gegenwart das kurze a (pathach) gleich einem o aussprechen,1) Altpalästina, Jemen, Persien, Daghestan stehen auf der einen, Westeuropa, Nordafrika und als erratischer Block Babylonien auf der anderen Seite. Die aschkenasischen Juden zeigen mit den östlichen Judengruppen, mit denen des Kaukasus, des Irans* des Jordanlandes und des arabischen Südens Aussprachegleichheit, sie "präsentieren sich als eine dem Westjudentum entgegengesetzte Fortsetzung der iranisch-kaukasischen Judendiaspora. Diese Sachlage ist kmitur-, sprach- und verkehrshistorisch begründet. Im letzten Kapitel dieses Büches findet der Leser einen Abschnitt über den allgemeinen weltgeschichtlichen Zusammenhang Ost- und großer Teile Mitteleuropas mit dem iranischen Westasien. Das Kamez gadol als „ou ist demnach bei den aschkenasischen Juden altes vordeutsches Erbgut und kein Produkt deutschsprachlichen Lautwandels. Das lange A als o, auch in nichthebräischen deutschen Worten im Munde der rtschkenasischen Juden, ist nichts anderes als eine konsequente Ausdehnung einer aus der Fremde mitgebrachten Ausspracheeigentümlichkeit, deren im Grunde selten vollständiges Zusammentreffen mit Laut Vorkommnissen innerhalb des Deutschtums eine rein zufällige Konvergenzerscheinung darstellt. Au. Dem nhd. au entsprechen im Jd. verschiedene Laute, bald ou? Bauch-bouch, Haus-hous, bauen-bouen, Raum-roum, Tausend-tousnt, Taumel-touml, laut-1 out, faul-fouf. (in Podolien heißt es jedoch zuweilen uu (Haus-huus, laut-luut), manchesmal o (Schaum-schom, kaüm korn), wie auch ow faul-fowt. bauien-bowyn, in Litauen wird bei diesen Worten das au durch oi ersetzt, also böich, hois, boien, roim, toisnt usw.), bald oi (taub-toib, laufen-loifn, Rauch-roich, kaufen-koifn; im litauischen Jd. tejb, lejfn, rejch, kejfn), bald u (blau-blu, grau-gru, klauen-kluen, im Nordjiddisch der Litauer blo, gro, kloen), bald ij (Gaumen-gijmyn), bald ai (glaüben-glajbn, im Nordjd. gleibn), bald o (gelaufen-gyfofn, bereits so im Jd. des XVI. Jahrii.-), wie auch schaukeln-schoklyn. Diese Mannigfaltigkeit in der Wiedergabe eines im Schriftnhd. einheitlichen Lautes hat im Jd. seine Ursache darin, daß das Jd. ausschließlich das Mhd. zum Ausgangspunkte hat, in dem diese Worte noch lange nicht uniformiert waren. Au, das zu ou bezw. in Podlolien teilweise zu u, teilweise zu: o, in Litauen zu oi wurde, geht auf mhd. ü zurück: buch, hüs, bu, rüm, tümel, tüseht, lüt, fül. Worte, deren au jd. oi (bezw. ej) lauten, hatten im Mhd. ein ou (toup, louip, rouch, koufen). Worte, deren ou u wurden, klangen einst mit einem' ä aus, blä, grä, klä. Das au des Wortes A. Safir: Haarez XiVlI. Jaffa 1901. *) Jd. Uebersetzung des Schebet Jehuda bei Biüxtorf 667.