Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 21 (1919)
- Issue
- 1-2 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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- 11 — (Schweinbitrg-Eibenschütz 12). Der deutsche Grammatiker Laurentius schrieb $m Jahre 1572: im Gegensatz zu den Schwaben, die das a klar und rein, ,wie die Hebräer das Pathach, aussprechen, reden die Franken und Meißner das a dunkel, voll und mit rundem Munde, wie die Hebräer den Laut Kamez,5) also Kamez-o. Jon. Clajus iinterscheidet im Jahre 1578 zwischen dem klaren Pathach und dem dunklen Kamez.2) Johannes Buxtorf der Aeltere erklärt im Jahre 1609, daß in Deutschland das -Kamez „a obscurum mixtum cum o4< von den Juden gesprochen wird.3) Wagenseil berichtet im Jahre 1699, daß die deutschen Juden für hebr. Tamar, Talui: Tomar, Tolui lesen.4) Dats o ist im Semitischen, gerade wie «in den Sprachen der Arier, eine natürliche Trübungserscheinimg des .,*a",5) das zweifellos frühzeitig, wenn auch nicht überall bei den Hebräern schon in alter Zeit, erfolgte. Bei den integralen Juden Palästinas scheint in Galiläa bereits um die Zeit Christi das lange ä (Kamez gadol) als o gegolten zu haben (vgl. Na'£<«>paTo:'= Elwt' IV.Scopa ~"ü: im riv.) Dies geht auch aus einer jüngeren Bemerkung des R. Acha mit Wahrscheinlichkeit hervor, daß der Unwissende, das Wort „ahawtha" mit „ojawtba" verwechselt8). Eine solche Verwechslung ist nur bei gleichem Vokalismus möglich, bei einer Aussprache, wo „ohawtha" dem ,,ojawtha" mit einem kleinen Konsonantenunterschiede gleich lautet.7) Aus der homiletischen Erklärung des Wortes afar ( isj? ) aus ofer ( izrj s) ist vielleicht ebenso zu entnehmen, daß zur Zeit des Entstehens des betreffenden Midraschausspruches in Palästina die Juden" „ofor" und nicht afar sprachen. Die Massoreten, die für das kurze o (Kamez katan) wie für das ursprüngliche lange ä (Kamez gadol) dasselbe Zeichen setzten, sprachen zweifellos dia(s a wie ein ö aus.'') Auch sonstige Beweise lassen sich für die Aussprache des Kamez gadol aus der Massora anführen. Im XII. Jahrh. berichtet Abraham ibn Esra in seinem Buche „Zachuth", daß das Kamez eigentlich nicht a, wie es bei den Sephardim üblich ist, ausgesprochen werden soll, und daß die Bevölkerung von Tiberias, sowie die Weisen Aegyptens und Afrikas, das a richtig zu sprechen wissen. Gemeint ist gewiß die o-Aussprache, Griechische Lehnwörter wurden von palästinensischen Juden bei o-Lauten mit waw (Cbolam) wie mit alef (Kamez gadol) geschrieben. Manche Vokale zeigen abwechselnd für ihr heimatliches griechisches o ein waw oder ein alef 6vuE, 1:N' Einzelne Fremdwörter auf a --------------- *»!) Albertus Laurentius: Teutsch Grammatick, A 5. Augustae Vindelicorum MDLXXIL 2) foh. Clajus: Gramm, linguae Germ. Lipsiae 1576. >) Buxtorf 9. «) Wagenseil 85, 86. *) Kautzsch: Hebr. Gramm. Leipzig 1891, 27. ') Renan: Svsteme I, 257. ') Midrasch* Hoheslied Rabba II, 13. ) Midrasch Genesis Rabba 14. ) vgl. Pinsker: Die babylonische Punktation 39. lü) Kraus: Giriedhische und lat. Fremdwörter im Talmud etc. I. 21. -Berlin 1898.