Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 21 (1919)
- Issue
- 1-2 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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- 10 — Juden einst das Kamez gadol wie o aussprach. Im Südjd. lauten die hebräischen Lehnwörter: "W^, ^"in, mtcörr ^gleich oiseher, hoirig, haftoiry. Da wir wissen, daß in dieser Mundart der Diphtong oi dien älteren Laut o vertritt, so liegt der Schluß nahe: die Südjd. sprachen einst dieses Kamez gadol wie o und verwechselten dieses sekundäre aus ä entstandene o mit dem primäre« Cholem-o und dilphtongisierten gleich diesem. Aehnlich geschah es im ungarischen Jd. mit schlafenschlofen, das zu schleifen diphtongisiert wurde. Anklänge an die ursprüngliche a-Aussprache des Kamez gadol sind ebenso bei einigen Worten aus dem Hebräischen im Südjd. bis heute noch nachweisbar, so: "irn-chawer,;*;-magog, "Syr-batym. Die Metamorphose des hebr. K. g., nord- und westjd. o, zu südjd. u scheint auch nicht unter der Einwirkung des Lautstandes der deutschen Worte im Jd. erfolgt zu sein, sondern eine rein interne Umbildung darzustellen, die dank territorialer Losreißung, vielleicht unter dem Einflüsse der slawischen Sprachen erfolgte. Die Südjuden dürften auch hei den deutschen Worten ihre ä-u-Aussprache keineswegs aus den wenigen baj. oder den anderen Landstrichen, wo dies feststellbar ist, geholt haben. So manches läßt vermuten, daß die Juden Polens, Galiziens usw. einst ähnlich, wie bei den hebräischen, so auch bei den deutschen Vokabeln das ä gleich o und nicht, wie jetzt, gleich u sprachen. Vor allem weist darauf die Tatsache hin, daß noch heute im Südjd. eine gewisse, wenn auch kleine Anzahl deutscher Worte an Stelle ihres \a kein u, sondern o besitzt, wie dies bereits oben angeführt iwurde. Es dürfte sich hier um Ueberbleibsel einer einst viel ausgedehnteren Erfscheinung handeln. Dann gibt es im Südjd. einige Worte auf u, die zweifellos auf ein o zurückgehen. Das südjd. Wort Bowo ( ntPPö >T22 ) ist Buwy, das o;aIso bestimmt primär. Das gal. jd. „gywoir" statt „gewahfc" setzt ein früheres „gewohr" und nicht „gewuhr" voraus. Das südjd. poips für Papst kann nur so erklärt werden, daß es früher pops lautete und das o dann diphtongisiert das a also im Südjd. ursprünglich wie o gesprochen wurde. Die Stadt Drohobydz, jetzt jd. drubytsch, poln. golic-guln weisen aurf u aus älterem o, so auch Spion-spiuun, Revisor-rywysuur. Eine slavische Analogie für u statt deutschem' a bietet das im XVI. und XVII. Jahrh. im Polnischen gebräuchliche „jurgelt" (Sold) für „Jahrgeld", (jurgieltniey). Ganz anders, als mit dem allseits bei dem südjd. sekundären u für ä, steht es mit der o-Aussprache des Kamez gadol. Diese Aussprache, die ursprünglich allen Asehkenasim eigen war, ist sehr alt, bei den Aschkenasim früher nachweisbar, als die Trübung des ä bei den Deutschen. Die Juden in Köln in den Jahren 1135—1152 sprachen Rochel für hm (Aronius 256, 156). Weitere, wenn auch nicht mehr so alte Belege für K.g.-o im! Westjd, sind zahlreich. Das o in gelobe mit einem K. g.-iVofcalwort erscheint in einem jüdisch-deutschen Dokument aus Wr.-Neustadt, aus dem letzten Jahrzehnt des XV. Jahrh.