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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1919-01-01 · 1-2 (1919) · p. Seite 9

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
21 (1919)
Issue
1-2 (1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 9 (sequence 11)
Language
German
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bayrischen Unterdonau und an der Unterisar hört man Uj mit Nachhall selbst statt kurzem a (halb-huelb, warten-wuierten, Zackenzuecken). In Gottschee in Krain wird ä zu m vor m1);geeprochen. Im Gegensatz zum Baj. ist im Alem. die Ersetzung des a, gleichgültig welcher Länge, durch u eine große Seltenheit.-) In Westmitteldeutschland geht in einigen Orten gerade wie im Baj. das ä in starkem Maße zu u über. In den westfränkischen Gegenden schreiben Mundartdichter für a den Laut uo (Jahr-juor, blasen-bluosen)3) Die Uebereinstimmung der jüdischen Aussprache des ä afe o mit manchen Dialekten Deutschlands bemerkte schon gegen Ende des XVI. Jahrhunderts Schadeus, er wies nämlich darauf hin, daß die Juden das a fast wie o „auf die nürnbergische oder fränkische Art sprechen". Der Lautwandel des ä in den deutschen Worten der jüdischen Sprache hat seine Entsprechung auch in der Aussprache des hebräischen Kamez gadol bei den aschkenasischen Juden. Dieser Laut, der von den Philologen allgemein als ursprüngliches langes ä angesehen wird und als solches auch bis dato bei zahlreichen nichtaschkenasischen Judengruppen des Westens lautet, klingt bei den ethnographisch deutschen Juden und litauischen Juden gleich o, ähnlich dem ä in deutschen Worten, so auch bei den sonstigen Ascbkenasim, entsprechend ihrer Aussprache des deutschen ä-Vokals, gleich u. Das kurze a, das Paihach, behielt bei allen Juden Mittel- und Osteuropas seine ursprüngliche Aussprache, nur wenige Ausnahmen bestehen diesbezüglich in der mündlichen Rede (^n; - Nuuchym, Tüy - Umyd, r^T-tuunys (aber in der Mehrzahl tanajsym DT*:y~). Wie steht es nun mit der Genesis dieser hebräischen Lauttrübuing? Hat der im XITL—XW. Jahrb. in Südost- und Mitteldeutschland entstandene Lautwandel des ä, teilweise auch a, die Juden veranlaßt, sowohl in den deutschen Worten das ä durch o, bezw. u zu ersetzen, wie auch das hebräische Kamez gadol entsprechend zu trüben, oder kamen die Juden nach Deutschland bereits mit einer besonderen Neigung, langes ä wie o, bezw. u auszusprechen, als altem orientalischen Erbstück und wirkten sie möglicherweise auf den entlehnten deutschen Wortstoff ein, änderten sie vielleicht, von deutschen Einflüssen im Prinzip unabhängig, in Uebereinstimmung mit dem Kamez gadol, auch das ä in deutschen Worten? Kamez gadol als u, wie es bei den Südjuden lautet, ist gewiß kein altes morgenländisches Gut. Es steht sowohl zeitlich wie territorial -vereinzelt da. Kein Beleg aus alten Urkunden spricht dafür, ebensowenig wie ein zeitgenössisches Beispiel aus anderen Judengruppen. Manches macht wahrscheinlich, daß auch dieser Teil der aschkenasischen *) Weinhold I, 43, Lexer: Kämt. Wb. VIII, Hintner U, 103, Schröer Gottschee 28. 2) Weinhold I, 31. Ä) Reiss 55.

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