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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1919-01-01 · 1-2 (1919) · p. Seite 7

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
21 (1919)
Issue
1-2 (1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 7 (sequence 9)
Language
German
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panie-fony). In russ. Podolien und in der ükraina wird auch von den Juden in zahlreichen anderen slavischen Worten das a zu o getrübt, so toty (tato), momy (mama), boby (baba) u. dergl. Vollständig ungetrübt erscheint im Jd. nur solches lange ä, das erst in den letzten Jahrzehnten entlehnt wurde und den historischen Sprachgesetzen nicht mehr unterworfen werden konnte, wie: Bahn, Telegraph, Kanone u. dergl. Die französischen mots savants mit ihrer lateintreuen Phonetik bieten hierzu eine Analogie. Die Trübung des langen deutschen ä im Munde der Juden läßt sich bis in die ältesten jüdischen Dokumente in deutscher Sprache zurückverfolgen. Die Frau Israel Isserleins, eines deutschösterreichischen Rabbiners aus Niederösterreich, der dann in Marburg das Amt eines jüdischen Seelenhirten bekleidete, schrieb um die Mitte des XV. Jahrh. 31"C für fragen. Die phonetische Fixierung ist zwar hier mehrdeutig» kann frogen und kann trugen gelesen werden, jedenfalls aber nicht fragen (Leket Joscher). Elia Levita, ein bayrischer Jude, schreibt Anfang des XVI. Jahrh biü für mal, onapn für Rückgrat. Auch hier läßt die orthographische Genauigkeit so manches zu wünschen übrig, gelesen kann sowohl mul und mol, ruckgrot und ruckgrut werden. Kein Beweis läßt sich erbringen, ob die Aussprache der bayrisch-österreichischen Judenschaft um die Wende des Mittelalters dem Typus des West- oder des Südjd. entsprach, obwohl -erste res wahrscheinlicher ist. Sicher ist jedoch, das lange ä klang im Munde der Juden anders wie im Schriftdeutsch schon mindest seit dem XV. Jahrh. Die Aussprache des o für ä im Westjiddischen läßt sich mit Sicherheit für das Ende des XVI. Jahrh. feststellen. Das bezeugt Elias Schadeus für das Jahr 1592 mit aller Deutlichkeit.1) In den Wormser Volksliedern in jüdischer Schrift aus den Jahren 1595—1605, von Eisak Wallisch veifaßt, beziehungsweise gesammelt, reimen häufig Worte, die im Nhd. ein a haben mit solchen, deren Laut ein organisches o ist, z. B. gewar-tor, lottern-begaben,^ verdrossenlassen, erfahrenngewaren, getan-Lohn.2> Es ist klar, daß die Juden in allen diesen Worten das a wie o stpraChen, also: gewor, begoben, lossen, erfohren, geton. Im Hans Vinz-Lied aus dem Jahre 1612 transkribiert Wagenseil3) Ende des XVII. Jahrh. das pi^ Geschriebene auch in deutschen Lettern: losen. Die Sprechweise der deutschen Juden o für a „host, hobn, lossn, blosen" bestätigt für das XVIII. Jahrh. Chrvsander..*) Die west- und nordjd. Ausssprache des a als o hat in den deutschen Mundarten Parallelen in großer Anzahl aufzuweisen. Das bayrisdhe a neigt zu o nicht nur, wo es lang ist, sondern!) Elias Schadeus: Ein gewisser Bericht von der deutsch-hebräichen Schrift 61. . *) F. Rosenberg: Volks- und Gesellschaftslieder etc. m Zeitschrift 4ür Gesch. d. Juden in Deutschland1. II. 237. 3) Wagenseil 128, 49. *) Chrvsander: Unterricht vom Nutzen des Jüdisch - Teutsehen, Wolfenbüttel 1750.

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