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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1919-01-01 · 1-2 (1919) · p. Seite 6

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
21 (1919)
Issue
1-2 (1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 6 (sequence 8)
Language
German
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— 6 — Sprung verdankt (z. B. Vater, fahren) wird im JdL durch u wiedergegeben. Der Einfluß des einfachen mhd. Konsonantismus auf das vorausgehende a erstreckt sich im Jd. auch auf solche Fälle, wo der Nhd. sich veranlaßt sah, die mhd. Mitlaute zu doppeln (Stadt, Schatten). Eine Ausnahmsstellung nimmt im Jd. das a ein in manchen Worten, wo es vor r gesetzt wird, wie Bart, Garten, Karte, warnen südjd.: buurt, guurtn, kuurt, wuurnyn. Auch im Nhd!. wird in den meisten dieser Fälle, trotz Doppelkonsonantismus, das a lang gesprochen (Bart, Gärten, Karte). Bei Bart hat dies einen historischen Grund, ehemals im Mhd. lautete es bäret. Bei den anderen Worten dürfte die Tatsache in Betracht kommen, daß das r nicht immer einen vollgiltigen Konsonanten abgibt und somit der a-Vokal vor einem einzigen richtigen Mitlaut steht. Im Jd. ist in den Worten? buurt» guurtn, kuurt das r kaum hörbar. Einige Worte mit a lauten im Jd. auf ejr bezw. e: fragen-frejgn,. Maler-'mejler, KoralleJkrle, Ungar-Inger. Diese Sonderstellung wird durch den mhd. Vokalismus, der jd. Sprache begründet. Im Mhd. hieß es vregen (Lexer III, 495), melen (I 2010), korelle (I 167S). Unger statt Ungar war bei den Deutschen Oesterreichs noch im XVIII. Jh. gebräuchlich und ist noch heute bei den Deutschen Siebenbürgens üblich. Die Form „gefregt" kommt in jd. Texten aus dem XVI.. Jh. bei Wagenseil (367) vor. » t A im Auslaut, das im Deutschen höchst selten anzutreffen ist, aber umso zahlreicher bei den Slaven und im Hebräischen vorkommt und im Jd. bei slawischen und hebräischen Entlehnungen reichlich vertreten ist, klingt im Munde der Ostjuden wie ein unbetontes .y: Mamamamy, Baba-baby, Cybula-Zybafy, Rosa-Rojsy, butka-bilky, Paprika-papriky, Kawana-kawuuny etc. Diese Erscheinung* hat ihre merkwürdige Parallele in dem' Auslauts-y, das die germanischen Worte im Altslawischen zu erhalten pflegten (Kirche-cruky, Bart-brady, Lache-Iaky), ist aber zweifellos das Ergebnis der charakteristischen Tonlosigkeit, die allen jd. Worten in den unbetonten Schlußsilben eigen ist. Slavisches a, da es von Haus aus kujrz ist, wird im westlichen Südjd. sehr selten getrübt: sad-suud, baba-buiby (Hebamme), pacierz-puLicer. Oefter werden in Galizien und Russisch-Polen von den Juden in Stäjdtenamen das a getrübt, wahrscheinlich weil der nach Polen im Mittelalter gekommene Jude diese zum großen Teile zuerst aus dem Munde von deutschen Kolonisten und somit lang gesprochen hörte, also: Zator-suuter, Kazimierz (Vorstadt von Krakau) -kuusmer, Stradom (dergl.) -schtruudym, Krasnik-kruusnik, Sanok-suunik, Krakaukruky u. dergl. Dagegen unverändert erscheint das a im Südjd1. der westlichen Gebiete des ehemaligen Polenreiches in: zaba, Tapa, chata, zaraz, tato, mama, baba (Großmutter), krata, szatia, chlapac, drapac, rabowa*c u. dergl. In einigen Fällen vor r und auch einmal vor n erscheint im Südjd. Galiziens und Russisch-Polen das slav. a durch o ersetzt (karmic-kormyn, haro\vae~horywyn, zarno-zorny, barszcz-borschtsch,

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