Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 21 (1919)
- Issue
- 1-2 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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ERSTES KAPITEL. Der Lautstand. K Vokale. A. Langem a der neuhochdeutschen Schriftsprache, das entweder durch eigene Verdoppelung, durch beigeselltes h oder durch die Nachfolge bloii <eines einzelnen Konsonanten kenntlich ist, entspricht im allgemeinen. im westlichen Südjiddisch (Galizien, Russisch-Polen) vor den liquiden 1, r, vor dem nasalen n, vor den Zungenlauten d, t, s, wie auch vor dem Kehllaute ch in Fällen, wo es verlängernd wirkt, ein langes ü (uu) (Sehale-schuul, klar-kluur, mahnen-muunvn, baden-buudn, ratenruutn, Gras-gruus, nach-nuuch), dagegen vor den sonstigen Konsonanten, vor dem nasalen m, vor den gutturalen g, k, vor den Lippenlauten b, p, t, ein kurzes u (lalim-lum, schlagen-sdOu£n, Krakau-krukv, grabengrubn, Gabel-gupf, schlaf en-schTufn). Im östlichen Südjd. (Russisch- Podolien, Ukraina) ist das Aequivalent des langen nhd. ä immer ein kurzes im Jiddisch' Ungarns entspricht dem ä ständig ein langes u. Im Nordjiddisch Litauens, wie auch im Westjiddisch, das einst in Deutschland und in Westösterreich gesprochen wurde, dessen Reste nur noch hie und da fortleben, lautet nhd. ä wie ö (oo). In einigen Fällen wird auch im Südjd. langes a-o (aber-ober, habc-ob. Milgram^milgrom, Pram-prom, ja-jo). Kurzes a, also jenes a, das im Schriftdeutschen von einem Doppelkonsonanten begleitet wird, bleibt im Jcl. zumeist unverändert (halten, Tannenbaum, backen, Salz, naß, hart). Ausnahmen bestehen im westlichen Südjd. wenig: Schwammschwom, Lampe-bmp, Schwanz-schwonz, gekannt-gykonnt, gehangen-gyhongyn, zwanzig-zwon^ig; mehr Ausnahmen finden sich im östl. Südjd. (bald-bold. Gewalt-gvwoM, ander-onder, n. v. a.). Vor seh, wie vor ch, mit Ausnähme eines einzigen Falles, wird a im Jd. wie vor einem doppelten Konsonanten behandelt, da üies a auch im Nhd. kurz ist (waschen, Asche, lachen, Sache; Ausnahme: ,.nach"). Der Parallelismus zwischen nhd. Länge des a und der jd. Trübung hat auch einige scheinbare Lücken. Das a in Jammer, Blatter, Natter, Stadt, Schatten, das infolge des ihm nachfolgendem Doppelkonsonanten kurz ist, lautet im Jd. u, (jumer, bttiuter, nuuter, stuut, schuutn). Die Ursache dieser Diskrepanz liegt darin, daß die neuhochdeutsche Kürze, bezw. der Doppelkonsonantismus bei diesen Worten eine unorganische, junge Erscheinung ist usnd die mhd. Sprache bei denselben lange ä-Vokale oder nur einfache Konsonanten hatte: jämer, bläter, näter, stat, schaten. Nhd. langes ä, dessen mhd. Vorgänger kurz war, und das die jetzige Länge dem folgenden einfachen Konsonanten seinen Ur-