Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 18 (1917)
- Issue
- 3-4 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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- Radom 1× ep/1000823
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— 54 — Hachum erkannte diesen Standpunkt nicht an, da sein Rechtsgefühl ihm sagte, daß er solidarisch für alle Verpflichtungen der Firma hafte und es seine Sache sei, sich1 mit Bam auseinander zu setzen. Auspitz bot ihm darauf einen Kredit an, um für eigene Rechnung wieder von Neuem anzufangen; aber Nachtun hatte nach all den Erfährungen der letzten Jahre nicht den Mut, fremdes Geld zu riskieren; er blieb von da, ab Wollsensal und ernährte unid erzog schlicht und recht seine zahlreiche Familie, die nadh und nach acht Kinder zählte, erhielt seine alten Eltern vollständig, verheiratete seine jüngeren drei Schwestern, übte, so weit es nur immer möglich war, mannichfache Wohltaten und vergab sich, bei aller Bescheidenheit seiner Mittel, durchaus niemand gegenüber etwas in seinem Selbstgefühle und Mannesstolze. 1844 verlor er seine kaum 50 Jahre alte Frau, die in dem kleinen Orte eine wahre Heiligenverehrung genoß. Noch heute lebt die Legende ihres Seelenadels im Munde einer Generation, die sie nicht einmal gekannt hat. Die Bewegung von 1848 fand in dem ganzen kleinen Familienkreise einen um so freudigeren Widerhall', als Nachuni in ihr jene Ideen wiederbelebt fand, in deren Verehrung er seine Jugendjahre, wie wir gesehen, verlebt hatte. Inzwischen war Bloch von Radom nach Warschau übersiedelt. Seine Gattin und zwei der Tödhter suchten durch Seidienfärberei und Putzmadlerei den Erwerb zu vermehren. In Oesterreich lebte kurz nach Ausbruch der Revolution das Gesdhäft wieder auf und Nachum und die Seinen begannen audh materiell aufzuatmen. Da das Jahr 1848 die Mauern des Ghettos niedergeworfen hatte, übersiedelte die ganze Familie nach Brünn, wo sein dritter Sohn in Eisenbahndiensten stand. Nachum, welcher schon um die Zeit der mehrjährigen Krankheit seiner Gattin an einer schmerzhaften Prosopalgie gelitten hatte, wurde in dieser Zeit mehr denn je von seinem Leiden heimgesucht und in seinem Eriwerbe gestört, dessen Betrieb oft Krankheitsrückfälle herbeiführte. Doch erst an der Schwelle seines siebzigsten Geburtstages, im Jahre 1856, entschloß er sich auf den Wunsch seiner dankbaren Kinder, dem Erwerbsleben zu entsagen. Im Jahre 1857 kam Bloch nach 40jähriger Abwesenheit nach Mähren, um die Kinder seiner verstorbenen Schwester zu besuchen und Zeuge zu sein, wie sich Nachums ältester Sohn Philipp (geb. 1822, gest. 1899) mit seiner mitgekommenen Cousine Julie (geb. 1833, gest. 1896) verlobte. Sein, wie seines Schwagers Dasein fand einen harmonischen Abschluß. Nachum lebte noch bis zum 26. November 1872, Salomon bis zum 15. August 1876.