Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 18 (1917)
- Issue
- 3-4 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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- Radom 1× ep/1000823
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— 53 - engagierte zur technischen Leitung einen stellenlosen protestantischen Geistlichen, Plutzer, der aus Mangel an Subsistenz in Brünner Webereien seiner Glaubensgenossen Stellung und Sachkenntnis gewonnen hatte. Nachum repräsentierte das Kapital und sorgte für Einkauf und Absatz, Plutzer die Fabrikation und Salomon sollte die kaufmännische Kontrolle besorgen und das Geschäft erlernen. Nachum ließ seinen Schwager und Plutzer zu gleichen Teilen am Geschäfte partizipieren. Salomon verließ jedoch nach kurzer Zeit mit seiner Mutter (welche 1816 anläßlich der Geburt ihrer zweiten Enkelin bei ihrer Tochter war) seine Stellung in R^ußnitz und heiratete dann 1817 in Warschau die blutjunge Friedericke Neumark, die als das schönste Mädchen Warschaus galt. Während nun Nachum mit seiner Rührigkeit und seinem hellen Verstände den Verlust weiterer 36.000.— Fl. rasch verschmerzte, den er bei Oesterreichs zweitem Staatsbankerotte erlitten, und dem Schwager noch den Rest auf sein Drittel aus dem Kromauer liquidierten Geschäfte nachschickte, etablierte Salomon mit Hilfe seiner bescheidenen Mitgift, und 100.000 polnischen Gulden Staatskredit (die Rußland Ausländern, die sich zwecks Begründlung einer Industrie im Lande niederließen) gewährte, eine Weberei in Radom. Nadhum hegte ein zu weit gehendes Vertrauen zu den meisten Mensdhen, bei denen der durch und durch redliche Mensdh unwillkürlich die Lauterkeit der eigenen Gesinnung voraussetzte. Als dann im Jahre 1828 im Gefolge einer geschäftlichen Krise die Firma Brobeil & Bayer in Brünn fallit "wurde, wurde Nadhum, damals mit einem Landsmann, Maier Bam, assoeiiert, so stark mitgenommen, daß die Firma, die sonst alles bezählt hatte, dem Lazar Auspitz 7500 Gulden schuldig blieb, denen freilich ein allmählich ablaufendes Wechselportefeuille in etwas höherem Werte gegenüber stand. Nadhum ging zum -alten Auspitz, sagt ihm ehrlich, wie er stehe, und bat, ihm Zeit zu lassen, allmählich Alles voll zu zahlen, Auspitz willigte nicht nur ein, sondern legte Na¬ ¬chum nahe, er solle, als bewährt tüchtiger Wollkenner, mit "ihm auf die Leipziger Messe reisen, er werde ihn dort mit großen Wollhändlern und Konsumenten bekannt machen. Joh. Daniel Führmann aus Lenep, Löberle aus Breslau, Perucher! aus Altenburg und andere große deutsche Firmen bedienten sidi gerne des rührigen und besonders sachkundigen Mannes, der von dieser einen Reise 10.000 Gulden heimbrachte. Natürlich war sein erster Wefg zu Auspitz, diesem die Rechnung seiner Firma zu begleichen; Auspitz lehnte die Annahme des vollen Betrages ab, da ihm Nachum nur die Hälfte, und die andere Hälfte Bam ihm schuldig sei; aber