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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1917-01-01 · 3-4 (1917) · p. Seite 50

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
18 (1917)
Issue
3-4 (1917)
Date
1917-01-01
Page
Seite 50 (sequence 20)
Language
German
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— 50 — handhabte er die hebräische Sprache, selbst in Gedichten mit moderner Tendenz, mit seltener Meisterschaft. Ein reger geistiger Verkehr, ein ununterbrochener Austausch literarischer Liebesgaben verband ihn mit den geistig hochstehenden Warschauer zwei alten Frauen, die im Geiste der Familie Aschkenasi erzogen waren, und Nachum war der Ueberbringei. Ein Neffe Genendels war jener Rabbi Hirsche! in London, welcher zuerst den Titel „Superior Rabbi of all the English, German and Spanish Jews of the united kingdoms" erhielt. Bei seinem Ableben hinterließ er seiner Descendenz einen für Stipendien in der Familie bestimmten Fond von L. 250.000.—. Zehn Söhne, zumeist Rabbinen, welche Familiennamen entsprechend ihren Rabbinatssitzen (Berliner, Amsterdamer etc.) annahmen, sind Aeste dieses Stammes, in deren Nachkommenschaft die Tradition der Familie und manche Eigenart nie ganz abhanden kam. Auch mit dem englischen Zweige behielt man einige Fühlung, wie wir sogleich sehen werden. Ein jüngerer Bruder Salomon Blodis (den wir in Raußnitz verlasser haben), Nathan, ein lebhafter, leichtsinniger, bildhübscher Tunichtgut, dessen wilde Streiche zu dämmen der nervenkranke Vater wTeriig geeignet war, lief eines Tages unter die französischen Soldaten; als 180Q wieder einmal in Raußnitz französische Einquartierung war, erkannten dortige Einwohner die Aehnlichkeit in Gesicht und Sprache des deutsch redenden „Franzosen" mit Bloch. Man machte Bloch darauf aufmerksam, der in dem (kaum 17-jährigen) jungen seinen Bruder erkannte. Auf Zureden des Brud'ers kehrte Nathan unmittelbar nach Friedensschluß nach Raußlitz zurück, wo er das Weberhandwerk zu Endie ler'nen sollte. Aber der Junge hatte kein Sitzefleisch, diente, eine echte Landsknechtnatur, bald in diesem, bald in jenem Heere, zuletzt unter den Engländern, mit denen er die Schlacht von Waterloo mitmachte, aus der er krank in ein Londoner; Militärspital gebracht wurde. Die Seelsorger der verschiedenen Konfessionen hielten nach ihren Glaubensgenossen Umschau, und als Rabbi Hirschel über dem Bette des jungen Taugenichtses seinen Namen las, erkannte er durch denselben nicht nur den Juden, sondern hatte alsbald herausgebracht, daß dieser Sohn Rabbi Veit Blochs, der inzwischen Ende 1811 gestorben war, sein Vetter dritten Grlades sei. Mit dem Familiensinn, welcher damals unter den Juden noch lebhafter war als heute, nahm er sich seiner an, fragte, was seine weiteren Lebenspläne seien, und als der Bursche äußerte, er wolle nach Raußnitz gehen, wohin inzwischen auch seine (um ein Jahr jüngere) Schwester geheiratet hätte, versah ihn Hirschel mit den erforderlichen Mitteln.

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