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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1917-01-01 · 3-4 (1917) · p. Seite 49

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
18 (1917)
Issue
3-4 (1917)
Date
1917-01-01
Page
Seite 49 (sequence 19)
Language
German
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- 49 — Schwester Genendel, welche den wackeren Charakter ihrer Altvorderen und deren Begabung geerbt hatte und in einem Leben von seltener Dauer (1713—1817) nach einander mit drei der geaditetsten Männer der deutschen Judenschaft, Salomon Hirschfeld, Peilte Oldenburg und Nathan Mamroth, verheiratet war. Die Reihenfolge dieser drei Ehen ist mir nicht bekannt. Eine Tochter aus ihrer Ehe mit Nathan Mamroth, Sarah, heiratete einen später aus Hamburg nach Polnisch-Lissa eingewanderten reichen Kaufmann, Meir, der sich, als die Juden um Mitte der achtziger Jahre des achtzehnten Jahrhunderts Familiennamen annehmen mußten, seiner Hamburgischen Heimat eingedenk, den Familiennamen Hamburger annahm, während sein in Hamburg zurückgebliebener ältester Sohn, wie schon früher erwähnt sich Robinow nannte. Ein Sohn aus dieser Ehe, Marcus Hamburger, ging nach Moskau, ließ sich dort taufen und hieß nunmehr „Eugen"; dessen Sohn Andreas war der bekannte Staats-Sekretär des russischen Ministeriums des Aeußeren, welcher zirka 82-jährig im März 1899 in Bern starb. Uns interessiert Meir und Sarah Hamburgers älteste Tochter Mariem, die Gattin Veit Blochs. Als Nachum Jellinek, wie früher erzählt, nach Warschau kam, fand er sowohl die fast 100-jährige Genendel, als auch deren Tochter Sarah und den Gatten der letzteren, Meir Hamburger, anwesend. Dessen mächtiges Kaufhaus in der Frauenburgischen Vorstadt in Lissa war nämlich infolge der kriegerischen Ereignisse von 1807 ein Raub der Flammen geworden und Meir ging mit den spärlichen Trümmern seiner Habe nadi Warschau, wo später drei seiner Töchter lebten. Er selbst konnte den entsetzlichen Wechsel seiner Vermögensverhältnisse nie verwinden. Aber seine greise Schwiegermutter blieb eine Frau von seltener Geistesklarheit und Gegenstand ungeteilter Verehrung. Die Lissaer Katastrophe hatte natürlich auch auf die Verhältnisse seines auf Stellensuche begriffenen Schwiegersohnes (der, wie erwähnt, aus Ansbach stammend, seit seiner Verheiratung als „Schutzjude" sich in Lissa niedergelassen hatte) eingewirkt, so daß sich Veit Bloch, wie wir gesehen, entschließen mußte, den Bildungsgang seines zweiten Sohnes um jene Zeit abzukürzen. Seit 1809 gab es nun für Nadhum ein fortwährendes Hin- und Her zwischen Oesterreich und Russisch-Polen; außer Geschäften gabs Gefälligkeits-Dienstleistungen in Familienangelegenheiten. In Wien lebte zu jener Zeit der geistvolle Juda Leeb ben Seb Wolfsohn, ein Verwandter der Familie, einer der Mitarbeiter des „Meassef" (Sammlerf), einer jüdischen Zeitschrift, an der die geistvollsten Männer der damaligen Judenheit mitwirkten. Poet und Grammatiker,

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