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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1917-01-01 · 3-4 (1917) · p. Seite 44

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
18 (1917)
Issue
3-4 (1917)
Date
1917-01-01
Page
Seite 44 (sequence 14)
Language
German
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— 44 - be beschloß nach Dresden zu geWen, wo jder Qatte iseiner Cousine Täubdhen, der bekannte „Baron (?) Eibenschütz", ihn vielleicht placieren kpnne. „Onkel Schiff", der die Leipziger Ostermesse bezog, nahm ihn im Frühling 1808 nach* Leipzig mit. Von dort ging es zu den Verwandten nach Dresden, wo er zwar kurze Zeit verwandtschaftliche Gastfreundschaft — Eibenschütz hatte ein eigenes Palais an der Brühischen Terrasse — genoß, aber geschäftlich nicht gefördert wurde. So beschloß er über Wien nach1 Frankfurt zu gehen, um eventuell sich dort unter Förderung seines Bruders d!em Lehrfache zu widmen; mit Leipziger Meßfuhrleuten fuhr er durch Böhmen und Mähren und kam so eines Feiertags nacW Neu-Raußnitz, wo die Führleute ihre Sabbatruhe hielten. Der junge Blodh machte dort die Bekanntschaft der, wenigen halbgebildeten /jungen Juden, <unter denen djer eine,l3) Abraham Pollitzer schon verheiratet und Vater eines Knaben und eines Mädchens war. Als dieser Ziel und' Zweck von Blochs Reise erfuhr, stellte er ihm den Antrag, nicht weiter auf die Suche zu gehen, sondern die Erziehung seiner Kinder zu übernehmen. So blieb er in Raußnitz, erteilte Unterricht in wohlhabenden Familien, wohnte und aß jedoch' bei der Familie Jellinek, deren einziger Sohn, eben Nachum, zwar kaum um zwei Jahre älter als er war, aber sich bereits durch natürliche Begabung und seltene Rührigkeit ein relativ hübsches Vermögen erworben hatte. Inzwischen war, am 3. Januar 1795, dem jungen Bloch in Kasimierz ein Schwesterchen, Täubchen (Therese), geboren worden, Mutter und Tochter mit der Familie Saulsohn nach Warschau, der Vater in die Nähe seiner mütterlichen Verwandten nach Breslau übersiedelt, Saulsohn zu angenehmer geschäftlicher Stellung in Warschau gelangt und von Wohlwollen für alle Verwandten seiner Gattin beseelt. Der junge Bloch überredete nun seinen Haus- und Altersgenossen, 13) Abraham Pollitzer (Farn. Nr. 71) war 1808 bereits Steuerträger und erscheint mit 56 fl 30 besteuert. Im Chewra Kadischa Protokoll S. 109 fandet sich folgende Eintragung: jynn -pm?s3n3 pne» *n pStorrn omaK TDDn ß*nru Abraham Pollitzer dürfte um 1780 geboren sein. Abrahams ältester Knabe ir»? ist zwischen 1800 und 1802 geboren. Von diesem gilt die Eintragung im Chewra Kadischa Protokoll S. 170: omna 'n jn nt^ TDpfl D -n Jynn yn^ ^Dflj f">T»fi. Es ist also so gut wie ausgeschlossen, daß Pollitzer 1803—4 einen Lehrer für seinen Knaben nötig hatte. Es scheint hier vielleicht eine Verwechslung vorzuliegen. Der N. R.-er Abraham Flesch hat im Jahre 1803 bei der mähr. Statthalterei „wegen Haltung eines jüdischen Lehrers, Benisch Jellinek genannt, für seine Kinder angesucht" (s. Flesch, Familie Flesch, S. 40, Anmerk. 3). Das Ansuchen mußte gestellt werden, weil Benisch Jellinek ortsfremd war. Daß in einem Jahre zwei fremde Lehrer gekommen, klingt nicht wahrscheinlich. Es müßte die Anwesenheit des ortsfremden jungen Bloch in N. R. durch das Einreichsprotokoll der mähr. Statthalterei erwiesen werden.

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