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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1917-01-01 · 3-4 (1917) · p. Seite 45

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
18 (1917)
Issue
3-4 (1917)
Date
1917-01-01
Page
Seite 45 (sequence 15)
Language
German
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— 45 — nach Warschau zu reisen und dort Geschäfte zu machen, wo viel zu verdienen sei und sein Oheim Saulsohn (gleichfalls ein Oesterreicher) ihn gewiß fördert! werde. Mit dem Wagemut der Jugend brachte der 21jährige Kaufmann seine Wiener Waren (Shawls, Seidengewebe und Brünner Textilerzeugnisse) nach Warschau. Sie gingen reissend und zu guten Preisen ab und für den Erlös kaufte Nadhum als Rückfracht für seine Fuhren wohlfeil1 Wolle und Häute ein, auf die er sich aus der Zeit seiner allerersten kaufmännischen Tätigkeit recht gut verstand, Rohprodukte, die in Brünn guten Absatz fanden. Er machte bei dieser Gelegenheit die Wahrnehmung, daß, angesichts der zahlreichen jüdischen Bevölkerung Warschaus und Polens überhaupt, die Gebetmäntel der Juden (Thalesim) einen lohnenden Absatz boten und richtete sich für seine nächsten Reisen darauf ein, in Raußnitz und Umgebung durch zahlreiche Landweber Kammwolle — auch kämmen ließ er selbst — zu Thalesim verarbeiten zu lassen. Bei diesem Besuche Warschaus lernte er die ganze dort anwesende Familie meines Freundes kennen, dessen Urgroßmutter, seine Großeltern mütterlicherseits, deren 3 Töchter und 2 Söhne, unter ersteren die Mutter seines Freundes mit ihren 2 Töchtern. Die jüngere, Täubchen, war ein liebliches Kind von 13 Jahren und Salomon faßte damals schon den Entschluß, daß dieses Mädchen aus einem so edlen Kreise, dessen Schicksale mächtig auf ihn einwirkten, später als Gattin heimzuführen. In Salonichi hatte nämlich im Anfang des siebzehnten Jahrhunderts ein gelehrter Rabbi, Ephraim Kohen, die „Jaschiwa" geleitet. Zu der wißbegierigen Jugend, die sein Ruf aus weiter Ferne anzog, gehörte ein kaum dem Knabenalter entwachsener Jüngling, Jakob, den man nach seiner wahrscheinlich süddeutschen Heimat, der Sitte der Zeit entsprechend, Aschkenasi („Deutscher") nannte. Jakob hatte ursprünglich die berühmte Jeschiwa in Wifna bezogen, von dort trieb ihn aber sein Lerneifer schräg durch Osteuropa zu dem Lehrstuhl Ephraim Kohens, dessen ausgesprochener Liebling der hervorragend begabte, lerneifrige und fromme Jüngling wurde, so daß er ihn mit seinem noch in kindlichem Alter stehenden Töchterchen Nachuma verlobte. Als nun in Salonichi eines Tages heftige Judenkrawalle ausbrachen, wanderte Rabbi Ephraim Kohen mit seiner ganzen Familie aus. Die Armen zogen ziellos (1648!) gegen Westen, durch die Kosakensteppen Kleinrußlands, ohne Ahnung, daß sie vom Regen in die Traufe gerieten. Dort wüteten um jene Zeit die sogenannten Chmielnickischen Banden

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