Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 18 (1917)
- Issue
- 3-4 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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— 41 — 1 unteren Sefiroth: Zeroa ist die rechte Hand (Liebe), das Ei ist die linke (Kraft), Maror ist der Rumpf (Ruhm), Charosseth der linke Fuß (Sieg), Karpaß der rechte (Hoheit), Kren ist Jessod {Qrund), endlich die Sederschüssel selbst bildet den Hals (Königtum). Das Bestreben Lurias, dem Davidschilde eine unbeschränkte Autorität zu verschaffen, ist ihm so glänzend gelungen, daß in den späteren Jahrhunderten selbst jene Teile des Judentums, die der Lurianischen Lehre ferngeblieben, dieses Symbol selbst akzeptiert haben. Im XIX. Jahrhundert, als der Zionismus entstand, hat dieses Zeichen schon, überall als Wappen des Judentums gegolten und auch die Zionisten haben es als ihr Symbol angenommen, trotzdem demselben — wie wir glauben — absolut keine nationale Idee zu Grunde liegt. Jene neue Richtung des Zionismus hingegen, welche mit Martin Buber die Verbindung mit der Lurianischen Lehre anstrebt, hat auch ein historisches Recht, den Davidschild als ihr spezielles Symbol zu betrachten. * * * Das Hexagramm wird zwar gewöhnlich mit der geometrischen Figur der zwei ineinander verschränkten Dreiecke bezeichnet, aber oft finden wir es als sechszackigen Stern dargestellt, dessen Zentrum mit den 6 nächstliegenden Winkelscheiteln gradlienig verbunden ist. So ergeben sich keine sieben, sondern nur sechs Teile, aber auch die Zahl sechs hat im Judentum eine hohe Bedeutung. Das älteste mystische Werk des Judentums, das Sefer Jezira, spricht schon von dem großen Geheimnis (Rasa rabba) dieser Zahl. Und dieses Geheimnis sind die sechs Ausdehnungen des Weltalls: Ost, West, Nord, Süd, Höhe, Tiefe. In der Mitte dieser sechs Richtungen steht das Heiligtum. Hekhal ha-kodesch.2) Wenn wir die Spuren dieser Idee auch in nichtjüdischen Mythologien finden, so ist sie doch eine echt jüdische, und zwar nicht nur mystische, sondern auch talmudische Anschauung. Schon im Heiligtume zu Jerusalem hat man die Tenufa (die Bewegung des gottgeweihten Opfers oder des Opfernden) in diesen sechs Richtungen gemacht. Als Andenken an diese Tenufa schwingt man am Sukkothfeste den Lulab in diesen sechs Richtungen: Ost, West, Süd, Nord, Höhe und in die Tiefe. Die kabbalistischen Schriften mahnen uns, daß wir 1) Siehe sein Werk: Vom Geiste des Judentums, Leipzig 1916. 2) Irgendwo wurde auch, wenn ich nicht irre, der Vers II Sam. 22,3 mit den 6 (eigentlich 7) Jod und dem „maginni" zur Erklärung herangezogen. Der Herausgeber. Mitteilungen z. jüd. Volkskunde 1618, 3-4. 4