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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1917-01-01 · 3-4 (1917) · p. Seite 40

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
18 (1917)
Issue
3-4 (1917)
Date
1917-01-01
Page
Seite 40 (sequence 10)
Language
German
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— 40 — war noch lange nicht alleinherrschend. Im Jahre 1354 schreibt Karl IV. den Prager Juden als Wappen eine rote Fahne mit dem Davidschilde und auch Salomo s Siegel vor. Unter letzterem verstand man damals schon das Pentagramm, obzwar es früher — wie wir gesehen — eben das Hexagramm, das Davidschild, bedeutet hat. Im XIV. und XV. Jahrhundert finden wir sogar das Pentagramm als Wappen der Juden noch häufiger als das Hexagramm. Deutlich befindet sich das Pentagramm auf der uralten Synagoge zu Teil Hum. Auch die Juden von ßuda (Ofen) hatten unter dem König Matthias Corvinus auf ihrer Fahne als Wappen das Pentagramm. Die Augenzeugen, dife das jüdische Ehrenbanderium bei der Krönung Matthias', bei seiner Trauung mit Beatrix und sonst öfters beschreiben, berichten uns, daß auf der roten Fahne dieses Banderiums ein Drudenfuß mit fünf Nägeln (pes bubonis quinque oculeis) gestickt war. Bald tritt aber das Hexagramm immer mehr in den Vordergrund., Seine heutige ausschließliche Herrschaft erhält es jedoch erst im XVI. Jahrhundert, als mit Isaac Luria die zweite Blütezeit der jüdischen Mystik eintritt. Mit diesem »Löwen« der Kabbah (»Arn) wird die jüdische Geheimiehre, welche bis jetzt hauptsächlich theoretischer Mysticismus war, zum praktischen Spiritismus. Er war es, der die Ideen der Kabbala ins praktisch-religiöse Leben einführte und diese nicht durch Bildzeichen, wie die christlichen Mystiker, nicht nur mit Grammateia, wie der Sohar, sondern durch religiöse Handlungen versinnbildlichte. So trug er bekanntlich beständig vier Kleidungsstücke, in der Absicht, so die Bedeutung des vierbuchstabigen göttlichen Namens zu symbolisieren. Die im Sohar geschilderte Bedeutung des Davidschildes hat seine mächtige Phantasie stark beeinflußt, er fand darin seine Weltanschauung mit erstaunlicher Kraft sichtbar gemacht. Seine Theorie von der Verkettung der sichtbaren und unsichtbaren Welt, der Weg der Schefa, das Heraus- und Hereinströmen des göttlichen Geistes, die Bekleidung des Arikh Anpin durch die zehn Sefiroth, die Gliederung dieser zehn Sefiroth, das alles war durch diese Figur mit überraschender Genauigkeit dargestellt. Er betrachtet darum das Davidschild als spezielles Symbol seines Judentums und bemüht sich, ihm eine unbeschränkte Autorität zu verschaffen. Das Pentagramm verschwindet seit Luria vollkommen aus dem Judentum. In seinem Werke »Ez Chajjim« lehrt er uns, daß am Erebh Peßach die Bestandteile der Sederschüssel so anzuordnen seien, daß sie den Davidschild bilden. Diese Anordnung ist die folgende: Die drei Mazzoth entsprechen den drei höheren Sefiroth: Krone, Weisheit, Einsicht. Diese bilden die drei Teile von dem Kopfe des Arikh Anpin, die »drei Gehirne« scheloscha mochin. Die übrigen Teile der Sederschüssel entsprechen den

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