Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 18 (1917)
- Issue
- 3-4 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- 34 — schieden. Die Zauberer von Babylon kämpften gegen die Schedim, gegen die bösen Geister, ihre Macht wollten sie brechen und die Herrschaft über sie erreichen, aber um die eigentliche Mystik, um die oeculte Philosophie und Theosophie haben sie sich nicht bekümmert. Hingegen aber die Magier, wenn sie auch selber praktisch Zauber betreiben, beschäftigen sich in erster Reihe mit theosophischen Fragen, sie forschen nach den Geheimnissen der Gottheit, nach der Verkettung der irdischen und geistigen Welt, nach dem Verhältnis des sichtbaren und unsichtbaren Lebens. Das Zauberwesen der Chaldäer war dem Talmud wohl bekannt und ist trotz aller Proteste in das Judentum eingedrungen. Erfolglos war die Warnung der heiligen Schrift, welche alle Zauberei und Geisterbeschwörung verpönt und verbietet, der Talmud hat das Zauberwesen, wenn auch zögernd, umgestaltet, dem Geiste des jüdischen Glaubens so weit als möglich angepaßt, aber schließlich doch recipiert. Aber mit der Magie und mit ihrer Tochter, der gnostischen Philosophie, hat sich der Talmud nie befreundet. Die gnostischen Spuren, welche wir dort finden, sind nicht die Zeichen der Recipierung, sondern des entschiedenen Kampfes, welchen der Talmud mit dieser geistigen Richtung geführt hat. Das Penta- und Hexagramm sind sowohl der Magie als auch dem Zauberwesen bekannt Ihr ältester Name im Orient ist nicht Davidschild, sondern das Siegel Salomos. Die Annahme liegt nahe, daß das Pentagramm das Siegel Salomos und das Hexagramm der Davidschild ist. Tatsache ist aber, daß man im Orient unter Siegel Salomos in erster Reihe das Hexagramm verstand. Es ist bekannt, daß den König Salomo der ganze Orient, sowohl in jüd. als auch in nichtjüd. Kreisen, als den Beherrscher der Geister, als den mächtigen Besieger der Schedim betrachtet. Die beste Waffe aber gegen die Schedim ist das Siegel. Der Talmud lehrt, daß den Schedim versiegelte Gegenstände nicht zugängig sind. (Chulin 105 b.) In der bekannten Stelle (Berakhot 6 b.) empfiehlt der Talmud, daß man den Platz, wohin die Schedim eingedrungen sind, mit einem »eisernen Siegel« abschließen solle. Und das beste Siegel zu diesem Behufe sei das Siegel Salomos (Gittin 68 b). Dieses Siegel hat der König Salomo nicht selbst erfunden, sondern, —- wie uns die aus jüdischen Kreisen stammende pseudepigraphische Schrift Testamentum Salämonis erzählt — von dem Erzengel Michael erhalten, der es wiederum dem ersten Menschen Adam abgenommen, als dieser aus dem Paradiese weichen mußte. (Dieser Sage scheint die Tatsache zu Grunde zu liegen, daß dieses Zeichen schon vor Salomo bekannt und gebräuchlich war.) Auf dem Siegel Salomos — so berichtet der Talmud