Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 18 (1917)
- Issue
- 1-2 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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— 29 — sein Werk über die Fische mit mustergiltig schönen Kupfertafeln zu verseilen. Michael Bloch scheint selbst ein Schriftgelehrter gewesen zu sein, wie er (audh aus schriftgelehrter Familie H i n d e, die Schwester des Landesrabbiners von Schlesien, T i k t i n, geheiratet hat. Aus dieser Ehe stammten 2 Söhne: a) Rabbi Veit Bloch und b) Rabbi Mosdheh Fische! Bloch. ,a) Veit Bloch, dürfte um 1760 geboren sein. In jüdisch-theologischen Wissenschaften tüchtig geschult, wurde er zu seiner Ausbildung nach Berlin zu seinem gelehrten Oheim Dr. Marcus Elieser Bloch geschickt, der ihm und gleichzeitig dem aus Dessau gekommenen Moses Mendelsohn materielle und geistige Förderung zuwandte. So wurde Veit ein für jene Zeit modern gebildeter Jude, der nebst seinem rabbinischen Wissen und gründlicher Ausbildung in den klassischen Idiomen unter anderem ein gut geschulter Mathematiker war, eine Kenntnis, die ihn während jener längeren Zeit, in der er auf der Suche nach einem Rabbinate war, in den Stand setzte, alljährlich für die osteuropäische Judenschaft das Kalenclarium anzufertigen. Dem geistig überbürdeten Gelehrten, der noch dazu mit N,ahrungs sorgen für sich, sein Weib und seine vier Kinder, Marcus (Moriz), Salomon, Karoline und Nathan zu kämpfen hatte, begegnete eines Tages (etwa um 1793 oder 1794) das Mißgeschick, sich bei Berechnung des Festkalenders um einen T,ag zu irren. Nun war unglückseliger Weise in der Zeit, in welcher Veit Bloch seinen Rechenfehler beging, die osteuropäische Judenschaft durch die Bewegung jenes Sabbathianismus, den der Baron Frank, recte Leibowitsdh aus Lublin, neu belebt hatte, in zwei, einander blutig befehdende Lager geteilt. Ueberall wurde Sektiererei gewittert. Ueberdies hatte eine Nichte Veit Blochs, (die Tochter R. Mosch eh Fische! Blochs) die bildschöne Täubchen, jenen Abenteurer Baron Eibenschütz, der .am polnisch-sächsischen Hofe zeitweilig eine Rolle spielte, geheiratet, der wiederum ein Sohn des hochgelehrten Rabbi Jonathan Eibenschütz war, welcher ganz eminent im Gerüche der Connivenz zum Sabbathianismus stand und Gegenstand der heftigsten Angriffe Jakob Emdens (des Großoheims von Veit Blochs Gattin) gewesen war. Wahrscheinlich half diese Versdhwägerung zwar Veit Bfoch vom Verdachte der Ketzerei zu reinigen, ^ber seine Reputation als Kalendermachetf und damit eine Hauptquelle seines spärlichen Erwerbes ging verloren. __(Schluß folgt.)