Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 18 (1917)
- Issue
- 1-2 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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— 28 — war. Dabei hatte der junge Mensch gesunde politische Instinkte und es ist gewiß bezeichnend, daß dieser wenig unterrichtete Sohn des Ghettos, aufgewachsen unter dem schmachvollen Drucke, in dem die luden iener Zeit in Oesterreich lebten, von Gesinnung ein Republikaner, ein Bewunderer des Genies Bonapartes war, dem er es nur übelnahm, daß er sich zum Kaiser hatte krönen lassen. „Consül" (wie Nachum akzentuierte) hätte er bleiben und die ,,Republik" erhalten sollen. Audi wußte er Napoleon dafür Darik, daß durch sein Eingreifen die Juden in dem Machtbereiche Frankreichs Menschenrechte erhalten hatten. Nach dem Tode seines Chefs kam der junge Nachum mit leeren Händen, auf der Suche nach einem Erwerbe, nach Brünn; er begegnete dort einem Wollspinner Godh'aire (nebenbei bemerkt, einem der 3 Fabrikanten, welche durch den zweiten Staatsbankrott, der die armen Leute wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen, nicht fallit wurden) und wurde von ihm befragt, was er nun, da der aÜte Bloch tot sei, beginnen werde. Nachum erzählte geradezu, wie und von wem er um seine bescheidenen Mittel betrogen worden war. „Ali, der Spitzbub," rief Godhaire empört, ,,no weißt; Du bist a braver Bursch. A Wolf verstehst aucfi. Ich wer'd Dir 600 Guiden leihen und fang' halt a bissei zu handeln an." Mit diesem bescheidenen Kapitale fing Nachum für eigene Rechnung einen kleinen Wollhandel an, der in den d'rei, Oesterreich gegönnten Friedensiahren prosperierte, um so mehr, als das Lieferungsp-eschäft für Armeezwecke unausgesetzt in Tätigkeit war. Er nahm rasch" an Wohlstand und Vielseitigkeit des Unternehmungsgeistes zu, wohnte und l'ebte aber in der alt-bescheidenen Weise mit den Eltern und Geschwistern beisammen, von welch letzteren inzwischen Cheil'e geheiratet hatte. Simche, Judith und Rachel gestorben waren. Und 'hier ist's am Platze, NacWums Biographie zu unterbrechen und auf die Vorgeschichte der Schwert- und Kunkelmagen" iener Familie überzugehen, aus der später (12. Februar 1812) Nachüm heiratete. 2. Die Familie Bloch. Zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts lebte in Ansbach ein Sopher (Thoraschreiber) namens Michael Bloch1. Auch sein Vater (dessen Name Salomon gelautet haben dürfte) scheint dieses, bereits1 eine Art Kunstfertigkeit unter den Juden verkörpernde Gewerbe betrieben zu haben. Dieser traditionellen Beschäftigung schreibe ich es zu, daß Michaels Brüder, der bekannte Ichthyologe. Dr. Marcus Elieser Bloch, die unter Juden jener Zeit so seltene Fertigkeit besaß.