Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 18 (1917)
- Issue
- 1-2 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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— 20 — verlebte. Er woh'nte dort in dem Stadtviertel Gakta, dichtete und sang seine Lieder in einem Kaffeehause, „da, wo heute die Apotheke Lichtenstein sich befindet/' Später heiratete er die Inhaberin dieses Kaffeehauses, namens Malze.1) Seine Zuhörer „waren mehr Gefühlsmenschen, hörten Nächte hindurch seine meist ex improviso komponierten Gedichte andäditig an und ehrten ihn sehr. Dieser Umgang aber verschloß ihm die Türen der besseren Gesellschaft hier, so 'daß diese ihn nicht einmal dem Namen nach kannte." Wir sehen also, daß E. in K., fern von der Heimat, es sich Wohlgefallen ließ, mit Menschen zu verkehren, die ihm jedenfalls keine Ehre machten, die aber für seine Jargonlieder das richtige Verständnis besaßen. Und ich glaube, midi nicht zu irren, wenn ich den Spieß umdreh'e und behaupte, daß die Ignorierung, oder richtiger die Geringschätzung, die damals dem jüdischen Dichter von der „besseren" jüdischen Gesellschaft in K. zuteil wurde, ihn in die zweifelhafte Gesellschaft trieb. E. handelte so, wie so viele andere in ähnlicher Lage; sie nehmen das. was sich ihnen bietet. Wolf Ehrenkranz starb am zweiten Juni des JaWres 1883 in Konstantinopel urid wurde daselbst auch begraben. Seine Witwe ließ ihm ein ehrenvolles Denkmal auf seinem Grabe errichten. Die Grabschrift lautet, wie folgt 2) yQ p*npay W ntPö nsr pö\Dn "i -wisan pten rnjtfi maam w nnnyn nswS rroaSn na nrfr yiw oyO rri^n teprj nyn nbib onoo mi*- nmi^ üin aby\i ywb tswp -poo non vön o^ow waJ lyb imb man *proT ■pm >*nip bv ^mo ri^K ikp6 -j^-m nnp dw tikS p"ö^ yamn r\w i»k td nvn iöx^ p)dw 1826 (firatf*u) »tn«ir ßnaaw _ 1883 W fPB 2 fjaiHBDM *) Nach Weißberg (a. a. O. S. 42), stammte die Bekanntschaft dieser Frau mit Ehrenkranz noch aus Bukarest. „Malciu", so heißt es dort weiter, ernährte sich und ihre Kinder, die ihr später beistanden, redlich als Näherin von Weißwäsche sowohl in Bukarest als auch in Konstantinopel." Letzteres scheint unserem Berichte, daß die Frau Inhaberin eines Kaffeehauses war, zu widersprechen; dies dürfte aber so zu erklären sein, daß sie in der ersten Zeit auch in K. Näherin gewesen ist. 2) Das hier folgende Gedicht ist ein Akrostichon auf den Namen des Dichters BenjaminSeeb(Wolf).