Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 18 (1917)
- Issue
- 1-2 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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— 19 — gebildet, sei besser als die Welt Gottes. In der Welt, die Gott geschaffen, gibt es Freude und Leid, Wahrheit und Lüge, Recht und Unrecht, dagegen enthalte die Welt des Dichters nur Gutes. „Welche Zukunft," fragt Gott den Dichtet, „welchen Zweck hat denn die Welt, die dii mir geschaffen hast? Wird sie dir Früchte bringen, daß diu dich satt essen kannst?" „Wie," entgegnet der Dichter, „darf ich denn von deiner Welt, die so vielen ihre Früchte bietet, etwas genießen? Nur von dem Baum der Erkenntnis hast du mir zu kosten gestattet, und so habe ich mir daraus meine eigene Welt gezimmert." „Gut," spricht Gott, „sie bleibe deine Welt für ewige Zeiten." Ein Gedieht über den Tod seines Vaters (S. 30—33) beweist, daß E. für seinen Vater, den er in seiner Jugend plötzlich verlassen hatte, doch tiefe Verehrung hegte. Dasselbe stammt aus dem Jahre 1856. Auch einen Nekrolog über den berühmten Wiener Prediger Mannheimer vom 20. Adar 5625 (1865) enthält das Büchlein (S. 71—75) : Der Himmel freut sich, während die Eride trauert. Der Himmel freut sich des strahlenden Geistes, der von nun an, an seinem Horizont, einem Sterne gleich, leuchten werde, und die Erde trauert, daß sie von diesem Geiste, der auf ihr so mächtig gewachsen, verlassen sei und bloß ein paar Handvoll Staub übrig habe. VII. Obgleidh seine Lieder in Galizien vielen Anklang fanden, sah Ehrenkranz doch im Laufe der Zeit, daß er dort kein dauerndes Unterkommen haben konnte. Die Chassidim und Talimudisten beadhteten seine Lieder nicht, und die wenigen Fortgeschrittenen begannen sich dort im Anfang der siebziger Jahre zu polonisieren, so daß ein jüdisdieri Dichter bei ihnen nidht mehr salonfähig war. Die Arbeiter und Proletarier hinwiederum warfen nach wie vor von seinen Liedern entzückt, aber Ehrenkranz fand mit ihnen keine rechte Fühlung. Die Zbarazer hatten also recht, wenn sie sagten: „Wölwel1 Moschkes wird hier kein Fässel1 Salz aufessen," womit sie meinten, daß er in Galizien nicht fange bleiben werde. E. verließ zum zweitenmal Galizien und begab sich nach Konstantinopel,1) wo er seine letzten Jahre *) Nach meinem Dafürhalten erfolgte seine Abreise von Galizien Ende 1874 oder Anfang 1875. Nach einer Notiz bei Weißberg (a. a. O. S. 42) soll E. um jene Zeit auch in Wien gewesen sein. Durch gütige Intervention des Herrn M. Franco, Schuldirektor in Demotica, erhielt ich am 13. Juni 1904 von Herrn Dr. D. F. Markus. Oberrabbiner der Synagogen-Gemeinde „Or- Thorah-Aschkenazim" in Konstantinopel freundliche Mitteilungen über Ehrenkranz' Aufenthalt in K.. eine Kopie der Inschrift seines Grabsteines samt dessen Photographie. Beiden Herren spreche ich hier meinen verbindlichsten Dank aus.