Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 18 (1917)
- Issue
- 1-2 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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— 17 - ler für den bösen Tag, aber auch ihr böses Ende kommt. Jeschurun wird noch der verdienten Ehre teilhaftig werden, während die Sölitie Romanias der ewigen Schmach anheimfallen werden." Daß Ehrenkranz in dieser Schrift die unmenschliche Behandlung der Juden in Rumänien der Wahrheit gemäß geschildert hat, unterliegt gar keinem Zweifel1. Man vergleiche bloß die wertvolle historische Abhandlung „Die judenfrage in Rumänien" von Dr. Christian Rakowski in der Zeitschrift' „Ost und West"1) (Juli 1909, S. 422—430), und man wird die Uebereinstimmung dieser beiden Schriften so eklatant finden, daß man sich fragen wird, ob denn wirklich eine Zeit von 35 Jahren dazwischen liege. Noch' jüngst gelegentlich der hinterlistigen Kriegserklärung Rumäniens an Oesterreich-Ungarn trat es klar zu Tag;e, daß die Rumänen den Juden gegenüber gar keine menschliche Regung kennen, und d,aß die Lage der Juden in Rumänien eine noch viel ärgere und schrecklichere sei ate in Rußland. VI. In demselben Jahre (1874) veröffentlichte Ehrenkranz in Przemysl eine kleine hebräische Sammelschrift unter dem Titel „Sifthe J es ch e n a".2) Sie enthält mehrere hebräische Gedichte, die geeignet sind, das Bild des Dichters einigermaßen zu vervollständigen. Hauptsächlich tritt uns hier die religiöse Seite oder richtiger die religiöse Weltanschauung Ehrenkrariz' ganz unverhüllt entgegen. Den Namen Sifthe Jeschena (Lippen einer Schlafenden) erklärt er, (S. 5—6) wie folgt. Als die hebr. Sprache merkte, daß die Zahl ihrer Verehrer ständig geringer und die ihrer Verächter immer größer würde, .zog sie sich in die Einsamkeit zurück. Hier lag sie und schlummerte, aber ihr Herz blieb wach, ihre Lippen bewegten sich1 und ihre Stimme wurde gehört. Auch der Dichter zog sich in die Einsamkeit zurück, um Von seinem unsteten Leben auszuruhen. Er sah da die schlummernde hebräische Sprache und wurde von ihrer Anmut derart überwältigt, daß er sich von ihr nicht mehr trennen konnte. Ihr gehöre alles, was in dem vorliegenden Büchlein vorhanden. Zum Danke für alles Gute, das er von ihr empfange, spricht er in einem Gedichte (S. 7) die Zuversicht aus, daß die hebräische Sprache noch eine große Zukunft Wabe. x) Nach dem „Courier Europeen" vom 25. Mai 1909. 2) Diese Schrift befindet sich in der Stadtbibliothek zu Frankfurt a. M. Daß ich dieselbe eine kurze Zeit benutzen konnte, verdanke ich der Güte des dortigen Bibliothekars, Herrn Dr. Freimann.