Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 18 (1917)
- Issue
- 1-2 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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— 16 — ihr Licht auch einem Volke spenden muß, welches die Li%e hochhält und die Wahrheit unterdrückt, einem Volke, in dessen Mitte der Uebermütige siegt und der Bescheidene unterliegt, einem Volke, dessen Machthaber öffentliche Mörder und Räuber und dessen Richter freche Rechtsverdreher sind. „Gleich Sodom und Amoriah sind Miofdau und Walachei/' Der Engel Gabriel1, der auf Gottes Befehl! die Erde durchstreift, bestätigt die Ausslage der Sonne. Hierauf erscheint Adam mit einer Rolfe in der Hand, welche die Gesdhichte Rumäniens enthält. Er wiM sie hier vorlesen, Gott aber spricht zu ihm, er möge sie den Erdenkindern schenken, da er ja auch ohne die Rolle alles weiß. — — — Es ist Frühling, die Bäume l'elgen ihr grünes Gewand an, und die Blumen beginnen aufzublühen. Hier tanzen Jungfrauen und singen Frühlingslieder; dort bläst ein Jüngling auf der Flöte und freut sich des Lebens. Al'lfein diese Jungfrauen sind keine Hebräerinnen, und jener Jüngling ist nicht der Sohn eines Hebräers. Es sind dies Töchter und1 Söhne von Rumänen, aber die Töchter Israels Wagten und Jeschuruns1) Söhne seufzen. Hat man doch ihren Vater aus dem Lande vertrieben oder zu Tode gemartert. Sie wehklagen, aber niemand hilft ihnen; müde und hungerig werden sie gejagt und gehetzt und schließlich durch1 Mörd'erhänd niedergestreckt. In Jassy war es, wo der Dichter sich aufhielt. Mit Verbitterter Seele und1 gebrochenem Herzen verfäßt er die Stadt, und auf freiem FeJde erhebt er seine Augen gen Himmel und weint bitterlich. Da sieht er plötzlich eine Rolfe, vom Winde getragen, auf die Erde fallen. Er hebt sie auf und findet, daß er hier eine Geschichte Rumäniens, verfaßt von Adam, vor sidh habe. Er erfährt aus derselben folgendes': Das Volk in Rumänien sei aus von alter Welt hergelaufenem Gesindel entstanden. Allerlei Verbredh'er und boshafte Menschen fanden sich1 hier zusammen und biMeten plötzlich1 eine Nation« Als soTdhe war sie anfangs stumm und1 fing erst dann zu reden an, nachdem ihr die anderen Völker! von ihren Sprachen einzelne Worte geschenkt Hatten. Später kamen audh Juden ins Land urid lehrten sie Gewerbe und Handel. Daraufhin wurden die Rumänen stolz, brü'ste - ten sich mit ihrem Volkstum, ihrer Spräche und Macht und betrachteten die Juden als Fremdlinge. Anstatt ihnen dankbar zu sein, ließen sie an ihnen ihre Wut aus. Viele Juden wurden aus dem Lande gejagt, ancfere totgeschlagen und noch andere in die Donau geworfen. Gott aber spricht: „Alles habe ich geschaffen, Menschen und Tiere, audh Fre^- x) Name Israels in der Bibel. Vgl. V. Mose 32, 15 u. a.