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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1917-01-01 · 1-2 (1917) · p. Seite 15

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
18 (1917)
Issue
1-2 (1917)
Date
1917-01-01
Page
Seite 15 (sequence 17)
Language
German
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- 15 - Geburtstagen und der Liebe „sich dem Kopf verdrehen". Das letzte Gedicht steht daher nicht am richtigen Pl'atz. Was mir aber in diesem Teil des M. N. besonders wichtig erscheint, ist der Umschlag in der Gesinnung des Dichters gegenüber Rumänien, der sich hier bemerkbar macht. Während er im ersten Teil seinen rumänischen Glaubensgenossen zuruft, daß sie selbst daran schuld sind, wenn sie von den Rumänen verachtet und unterdrückt werdlen, (S. 153), macht er hier die rumänischen Machthaber für alte Ungerechtigkeit und Unsicherheit im Lande verantwortlich. Darin besteht der Gegenstand des- Spottgedichtes „Dus platschige Möjchir1) (S. 66), wo der Dichter sagt, daß ein Mensch ohne freien Willen „könn noch ärger weren, wie a Minister in der Walachei". Es ist ja möglich, daß seine Ausweisung aus Rumänien ihn für diese Sinnesänderung mehr geneigt machte, als es sonst der Fall gewesen wäre, aber sie war trotzdem das Resultat seiner ehrlichen Ueberzeugung, der er dann erst Ausdruck geben konnte, nachdiem er' den rumänischen Boden für immer verlassen hatte. V. Hat E. im M!. N. bloß ein kleines Spottgedicht über die rumänische Regierung veröffentlicht, so tritt er in einer besonderen hebräischen Schrift „Romanie" mit ungeheurer* Sdhärfe und Bitterkeit gegen das rumänische Volk überhaupt auf. Diese der Alliance Israelite Universelle in Paris gewidmete Epistel (Megilläh) erschien in der hebräischen Zeitschrift „ha-Schachar"2) (Wien 1874). In der Einleitung erklärt der Dichter, daß seine Entrüstung über dieses törichte Volk ihm diesmal die Feder in die Hand drücke. So schreibe er diese Epistel mit wehmutsvollem Herzen und mit Tränen in den Augen, da ihn die Leiden seiner Brüder in diesem Lande in tiefe Trauer versetzten. Schließlich spricht er die Erwartung aus, daß man seine Schrift einmal ins Rumänische übertragen werde, auf daß seine Worte den Rumänen zu Dornen in den Augen und zu Feuerschwertern in den Leibern würden. Das Bestreben E/s, im Geiste der Bibel zu erzählen und biblische" Personen anzuführen, trägt gerade nicht zur Klarheit der Darstellung bei; jedoch will ich versuchen, den Inhalt dieser historiscfh und poetisch ungemein wichtigen Schrift so kurz als möglich wiederzugeben. Die Sonne tritt vor Gott und klagt darüber, daß sie *) Der Schwachkopf. 2) V. Jahrgang S. 544-52, 623-31, 685-94. Weißberg (a. a. O. S. 38) nennt diese Satire „eine der gewaltigsten, von mächtiger, heiliger Entrüstung getragenen hebräischen Dichtungen aller Zeiten."

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