Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 18 (1917)
- Issue
- 1-2 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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— 14 — Die Balbuhste1) raasst sich ba die Oih'ren, Wus Wostü getühn, dü Klippe?2)' Die Challe is schein übergejoihren, Ün dir vergiltst siCh a Chüppe! Idh hob Viar aach;ke Moire3) nisch't, sugt sie ihr, Chotsche4) ihr send raach, Maan Mann wett sich unnemmen bald for mir, Ich bin a Balbuhste glaach mit aach. E. besuchte hierauf die meisten größeren Städte Galiziens, wo er seine Lidder sang und großen Beifalli fand'. Er verdiente viel Geld und gab nicht selten Wohltätigkeitskonzerte mit sehr gutem Erfolg. Massenweise strömten zu seinen Vorträgen die jüdischen Handwerker, Fuhrleute und Taglöhner, deren Enthusiasmus keine Grenzen kannte. Die Schneider und Schuster in ihren Werkstätten, sowie die Kutsdier auf ihren Kutschböcken sangen stets seine Lieder nach und machten sie so zu eigentlichen Volksliedern. Daß E. um jene Zeit in Lemberg gewesen und dort aufgetreten ist, ist aus zweien seiner Lieidter zu ersehen, „Das1 InValiden- Waus in Lemberg" (M. N. IV, S. 44—48) und „Die Chiassiüim im Hekdesch"5) (das. S. 48—50), die gewisse Einrichtungen dieser Stadt zum Gegenstande haben. Die Erwähnung der beiden letzten Lieder führt uns bereits in den vierten Teil des M. N,, einem Bäriddhen voll) von reizenden Liedern. Da ich keine Charakteristik derl Lieder gebe — eine solche hat Weißberg in trefflicher Weise geliefert —, sondern nur die biographischen Momente hervorzuheben suche, so möChte ich hier nur auf folgendes aufmerksam machen. Dieses Bändch'en ist einem Freunde des Dichters, namens S amuel Elim ann in TultscWa (Dobrüdscha) gewidmet. In dem kurzen Vorwort macht E. darauf aufmerksam, d'aß er, obgleich er sonst meist auf regelmäßigen Strophenbau sehr achte, dies hier nicht tue, wenn er den Chossid sprechend einführt. Eine andtere Eigenart dieser Gedichte ist, daß sie inhaltlich zusammenhängen, dl h., daß in einem Gedichte auf ein anderes vorhlergehendfes oder auf mehrere vorher[gehende GediChte Bezug genommen wird. So kann man z. B. das Gedidht „Der Chossid lacht" (S. 104) dann erst richtigverstehen, wenn man vorher die Lieder „Der Geburtstag" (S. 98) und „Der unglückliche^ Verliebter" (S. 112) gelesen hat. Der Chossid macht sich nämlich lüstig über die „verführte Lat"-(Leute), die mit l) Hausfrau. *) Teufelsweib. 8) Furcht. 4) obwohl. 5) Krankenhaus.