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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1917-01-01 · 1-2 (1917) · p. Seite 6

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
18 (1917)
Issue
1-2 (1917)
Date
1917-01-01
Page
Seite 6 (sequence 8)
Language
German
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— 6 — Im anderen Lieck zeigt uns der Dichter die Dissonanz zwischen seinem Inneren und seinem Aeußeren: Wie schlecht is dem Mann, Wus müs san jedem geneegt1) Ün mit Gewalt fröhlich zü san, Chotsche2) er is nitt aufgelegt (S. 45). Wänn geht es dem Dichter gütt Ün lebt ohne Sorgen? Auf der Welt awadde3) nitt, Er darf alles leihen ün borgen! Es geht ihm gütt auf jener Welt, Er weesst nitt vün ken Leed, Dorten id|arf er nischt ken Geld Er mög singetn züsetzterhet'4) (S. 49). Djaß E. im folgenden Liede „Des Dichters Trost" (S. 51—59) sich scheinbar glücklich' preist, kann bei näherer Betrachtung desselben nicht;a!s Widerspruch aufgefaßt werden. Hier will' er denjenigen, die sich' über dem armen Volkssänger himmelWoch zu stehen dünken und meinen, — wie er sich darüber in der Einleitung weiter äußert — „diaß er doch kein Ehrenmann sei, wenn er sich so erniedrigen könne, um Lohn zu singen," deutlich zeigen, daß er seinen inneren Wert wohl kennt und sich über den Stumpfsinn seiner Verädhter lustig mächt. So ruft er hier den Reidhen zu, daß er in Wirklichkeit glücklidher sei als sie. Ihr Besitz sei ein äußerer, der leicht Sdbaden nehmen könne, während er in sich! selbst ein Vermögen besitze, das1 sich weder durch Feuer nodW durch Wasser verzehren lasse. Al's ihm seine Armut einmal so arg zusetzte, daß er nicht einmal1 den Mietzins bezahlen konnte, flüchtete er sich1 ins Freie. Dort begegnete er einem Hirten mit seiner Herde, er blieb stehen, dachte bei sich', wie glücklich dieser Hirte, Er passet5) seine Sdh'uf Ün singt dabei a Lied, Es is ihm süß s'an Sdhluf Ün eßt mit Appetit (S. 57). Der Hirte aber wundert sich sehr über seinen ungebetenen Gast und fragt ihn: *) Ehrenkranz sagte geneegt, nicht geneigt, also ee, nicht ei. Er sprach wie man in Zbaraz spricht. Dort saert man gehen, stehen, während man inTarnopol sagt: geihen, steihen. Weißberg (a. a. O. S. 12) transkribiert also nicht richtig, wenn er schreibt „gein", „verstein". 2) Obgleich. 3) sicher. *) bis er platzt? 5) weidet.

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