Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 18 (1917)
- Issue
- 1-2 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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mehr durch seine ostentative Ungebundenheit in religiöser Beziehung zum hebräischen Lehrer, der in erster Reihe Religionslehrer sein sollte, ungeeignet war, das wollen wir dahingestellt; sein Hassen. In seinem Liede „Die Moldauischen über die Poilisdh'en" (Malekef Noam I, S. 103—108) deutet er Letzteres an. Unter anderem legt er den rumänischen Juden folgende Kllage in den Mund;: Kümmen Schlack1) vün Poilen arub2),! \ \ Drabbes3) gur u'h'n Zuhl, Ün führen vün dem glitten Weg arub Dus heiige Volk Jissruel (S. 105). Tatsächlich mußte E. sich nach einem anderen Erwerbszweig umsehen, um nicht zu verhungern. Nun hatte er sich schon als Lehrer mit der hebräischen Poesie befaßt.4) und so glaubte er eine Zeitlang, wie er uns in der Einleitung weiter erzählt, in dem hebräischen Liede seinen Nahrungszweig finden zu können. Aber dies schlug gar nicht an. Seien dodh diejenigen, die an hebräischen Gedichten ihre Freude Waben, im Durchschnitt arme Leute, und auch die wenigen Wohlhabenden unter ihnen wollen für so etwas kein Geld 'hergeben. Da fiel ihm ein, seine Muse in ,,zwei Gewänder" zu kleiden, in ein geflicktes und grobes — Jiddisch — und in ein köstliches, fein gewobenes — Hebräisch, Ersteres sollte ihm zu seiner Ernährung dienen, letzteres zur Erhaltung seiner Ehre beitragen. ,,Davon," heißt es dort: weiter, ,,lebe ich schon sieben Jahre: meine Zuhörer glauben, diaß ich mich glücklich fühle, aber ich weine oft im stillen und trauere, daß ich singen muß, um meinen Hunger zu stillen." Diese Gefühle kommen am besten in zweien seiner Lieder zum Ausdruck, auf welche der Dichter selbst bei dieser Gelegenheit hinweist: ,,Die Nachtigall" (das. S. 17 bis 27) und „Der Volksdichter" (S. 43—49). Im ersteren vergleicht er sich mit dem gefangenen Vogel, dem man nur seines Gesanges wegen zu essen gebe. Während der Vogel über sein trauriges Schicksal bitter klagt, schreit und weint, glauben die Menschen, daß er singe. Die Dichterseele will gleich den Vögeln fliegen und „in die Höhe schweben", muß aber von „des Lebens Strick festgebunden", darniederliegen. Eigentlich: Schläge, gemeint sind verkommene Individuen. 2) herab. 3) Taugenichtse. *) In der hebräischen Zeitschrift Kochbe Jizchak Jahrg. 1848 erschien von ihm ein hebr. Gedicht mit der Ueberschrift „Poetisches" von W. Ehrenkranz in Botoschani (Rumänien), das für die dichterische Begabung des damals erst 22 Jahre alten E. zeugt. Einige Jahre später (1855) veröffentlichte er in Jassy eine Satire über den Chaßidismus, Chason la-moed." Dieses Büchlein, das ich nicht zu Gesicht bekommen konnte, soll sehr unterhaltend gewesen sein.