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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1917-01-01 · 1-2 (1917) · p. Seite 4

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
18 (1917)
Issue
1-2 (1917)
Date
1917-01-01
Page
Seite 4 (sequence 6)
Language
German
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zu können, wenn er die Verlobung und Verheiratung des kaum achtzehnjährigen Wölwel mit einem wohflgearteten, aus gutem Hause stammenden Mädchen aus Zbaraz beschleunigte, um ihn dladurch an die Scholle zu fesseln, und so alles beim alten bleiben würde. Aber auch darin hatte der alte Ehrenkranz wieder einmal die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Wenige Tage nach der Hochzeit verließ Wölwel seine junge Frau 'und die alten Elitern und blieb lange Zeit verschollen.1) Alle Nachforschungen nach seinem Verbleib waren erfoliglbs, und erst nach einigen Jahren wurde es durch einen Zufall in Zbaraz bekannt, daß er in Rumänien lebte. Ueber die weiteren Schicksale seiner verlassenen Frau habe ich 'nichts erfahren können. Ich weiß nur soviel, daß sie zur vZeit, als Wolf Ehrenkranz nach ungefähr 25 Jahren wieder einmal in Zbaraz auftauchte, nicht mehr lebte.-) II. Warum E. aber die Heimat verließ und wovon er sich in Rumänien ernährte, erzählt er uns selbst in dem Vorworte zum ersten Teil seiner Liedersammlung MäkkeP Noam (Lemberg 1869). Die Hoffnung auf ein glücklicheres und menschenwürdigeres Dasein habe ihn laus seinem Heimatlande weggelockt. Rumänien war das Ziel seiner Reise. Hier suchte er das ge'hoffte Glück, wurde aber auch dort von demselben gemieden. In den ersten Jahren ernährte er sich dort durch Erteilung hebräischen Unterrichts.3) Später versagte ihm jedoch dieser Erwerb, angeblich weil er den damaligen hebräischen Lehrern (Melamdim) in Rumänien nicht ebenbürtig war. Man war dort gewohnt, hebräische Lehrer mit glattrasiertem Haupt, langen Stirnlocken und nur am Sabbath in einem sauberen Rock einherwandeln zu sehen, während E. sogleich, nachdem er seine Heimat verlassen hatte, sich europäisch kleidete und die galizischen Manieren abzustreifen sudite. Ob ihm dies allein geschadet hat, oder er viel- *) Weißbergs „Anekdote" (a. a. O. S. 7). nach welcher E. seine Frau aus Liebe geheiratet haben soll, klingt wie eine Erfindung. Ich habe dies bereits in meiner Rezension über Weißbergs; Schrift (Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des,[Judentums,""" 1910, S 753- 59) bemerkt und dort hinzugefügt, daß E. seine*Frau nicht so schnöde verlassen haben würde, wenn er sie geliebt hätte. 2) Nach Weißberg (a. a. O. S. 8) starb sie wenige Jahre 'nach ihrer unglücklichen Verheiratung in Tarnopol. 8) Aus der Stelle „we'ebhah sam ha-z'man ha-boged beni n'bhcn ha-mis'charÄ etc. ist nicht zu schließen, daß E. es dort zuerst mit dem Handel versucht hatte, wie Weißberg (a. O. S. 5) behauptet. Ich glaube vielmehr, daß der Dichter hier von seiner inneren Abneigung gegen den Handel spricht, die er schon in der Heimat empfunden hatte.

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