Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 19 (1916)
- Issue
- 1-4 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 72)
- Language
- German
- Belongs to
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— 70 — Luria teilt in einem Gedichte die Woche in zwei Teile, so daß drei Tage vor und drei nach Sabbat kommen. Erstere bilden die rechte, letztere die linke Gruppe, zwischen beiden die Braut, der Sabbat *). Auch der arabische Dichter Schibzi deutet in seinen Dichtungen oft auf die linke Seite, als das Prinzip des Bösen und auf die Rechte, das Prinzip des Guten hin und so blieb auch die Kabbala nicht vor Versifizierung geschützt2). Noch sei ein Sprichwort zu erwähnen: Ein Mensch ohne Freunde ist wie eine Linke ohne Rechte3) Daß sich der Volksglaube für poetische Bearbeitung eignet, bedarf keines näheren Beweises. Vielleicht das Schönste auf unserem Gebiete hat Immanuel geleistet in dem Gedichte, wo er die Zeichen, welche auf die Geburt eines Knaben folgern lassen, in Verse faßt: Größer ist die Brust zur Rechten, Stärker pocht der rechte Puls, Rechts der Zunge große Venen, Zehnfach stark sind rechts die Sehnen, Kräftiger und frischer blühet Rechts die Warze auf der Brust, Aus dem rechten Nasenloche strömet großer Blutverlust. Und im engen Mutterleibe Liegts stets auf der rechten Seite: Nur ein Knäblein kann es sein, Stellt sich eins der Zeichen ein4). 1) . . n*?D irprm afcfittatöi a:nfc\ 2) Bacher, Die hebr. und arab. Poesie der Juden Jenians, 97. 8) Dukes, Rabb. Blumenlese 89. 4) Machb. 104. In seiner Eigenschaft als Arzt zur Geliebten gerufen, prüft er ihren rechten Puls mit seiner Rechten; das. 95. — Herr Rabb. Dr. Grunwald hatte die Güte, mich auf einen Artikel im Berliner Tageblatt vom 7. Mai 1916: Rechte Hand — linke Hand, aufmerksam zu machen, der von ärztlichem Standpunkte auf großes Interesse Anspruch erheben kann und im wesentlichen schon von L. Katscher „Rechts, Links und Doppelhändigkeit" behandelt wird, sowie auf eine Notiz im Ber. Tagebl. vom 16. Jan. 1916 desselben Gegenstandes.