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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1915-01-01 · 1-4 (1915) · p. Seite 69

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
19 (1916)
Issue
1-4 (1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 69 (sequence 71)
Language
German
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— 69 — öfter den Ausdruck in seinen synagogalen Gedichten. Einmal läßt er Gottes Rechte sich ausstrecken, um die Büßer, ein andermal um die Buße aufzunehmen, je nachdem es der Reim erfordert1) Aber auch die Betenden strecken ihre Rechte zu Gott empor2.) Eine andere aus der Agada in die Poesie gedrungene Formel ist: Mit der Linken verstoßen und mit der Rechten an sich ziehen. So bittet Eliezer b. Isak ha-Levi: Dein Volk Israel, das an dich glaubt, verstößt du es mit der Linken, bringe es nahe mit der Rechten3). So formuliert auch Juda ha-Levi seinen Glauben an die Ewigkeit des jüdischen Volkes: Wenn er (Gott) sie mit der Linken abweist, nähert er sie sich mit der Rechten4). Natürlich muß auch diese Formel, wie manche Bibelstellen, willkürliche Umgestaltungen erleiden. Samuel Kohen läßt Gott sein Volk trösten: Wenn dich die Linke vertrieb, ergriff ich dich mit der Rechten5). Ein Selicha Dichter bittet wieder: Wir irrten ab nach links, möge uns deine Rechte nahe bringen6). Isak b. Abigdor verlangt von Gott, er möge die Schuld mit der Linken verbergen und das Verdienst mit der Rechten emporheben7), während ein Unbekannter von Gott wünscht, seine Rechte fasse die Barmherzigkeit, seine Linke stütze die Verzeihung8), oder: Gott segne heute sein Volk mit der Linken und Rechten9). Aehnlich klagt Immanuel: Sie verstieß mich mit der Rechten, möchte mich doch ihre Linke umarmen, und die unglückliche Frau jammert über den Mann, der seine Rechte in die Schüssel (Schoß) legte und mit der Linken sie heimführte10). Auch die den Thron Gottes umgebenden Engel werden von der Poesie aufgegriffen. Zur Rechten lobet Michael, zur Linken spricht Gabriel: „Es gibt außer Gott keinen im Himmel und wer ist auf Erden gleich deinem Volke Israel"ll). In einem Ofan wird schon allen vier Erzengeln der gebührende Platz angewiesen: Gott setzte in seiner Wohnstätte zur Rechten das Lager Michaels, zur Linken und voran Gabriel und Öriel, rückwärts nebst seiner Wache das Lager Rafaels12). Wie die Agada wird auch manchmal die Halacha poetisch bearbeitet. So z. B. das Anlehnen auf die linke Seite beim Seder, die Ordnung der Perikopen in den Phylakterien u. n. m13). Isak 1) Divan III 201, 298. 2) tlttto^ft JlttTtöÖ Pismon W*ttl8\ Einmal steht auch T» BTDD statt •pfci Jozer Sabb. schubah imBtf. 3) Jörn Kippur Katan ^^tf. 4) Divan I 307—5. 6) Jozer II Sabb. nach Peß vifcPK. 6) Selicha i«Q ttbü. 7) Pismon 8) Selicha isä NttJK. •) Machzor Vitry 448. 10) Machb. 7. 136. ") Minchah Jörn Kippur. MS. 1915, 242 f. J2) Jozer V Sabb. nach Peß. 18) Jozer Sabb haggadol fr»; zu yp$ Tw. W

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