Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1915-01-01 · 1-4 (1915) · p. Seite 71

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
19 (1916)
Issue
1-4 (1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 71 (sequence 73)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2638044-2638071-2638072--1783-2639155
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

— 71 — Hebräische Worte in der Frickhöfer Krämersprache. Von N. M. Nathan. In den Nassauischen Heimatblättern, 19. Jahrgang, S. 95ff. findet sich ein kleiner Aufsatz über die Frickhöfer Kr'ämersprache. Frickhofen ist ebenso wie das später zu erwähnende Wilsenroth eine Gemeinde im Tale des Elbbaches, der sich unterhalb Limburg in die Lahn ergießt, und die Bewohner dieses Tales sind seit langen Jahren und zum größten Teile Hausierer. Unter den Hausierern des Elbtalgebietes — so berichtet A. Bach, der Verfasser des oben erwähnten Aufsatzes — hat sich nun im Laufe der Zeit eine besondere Sprache, die sogenannte „Frickhöfer Krämersprache"!), herausgebildet, und der Zweck seines Aufsatzes ist es, Beiträge zu dieser Sprache heranzuziehen, die in dem in Vorbereitung befindlichen Hessen-Nassauischen Wörterbuch Aufnahme finden sollen. Bach führt nun weiter eine Reihe von Wörtern, die in der Frickhöfer Krämersprache gebräuchlich sind, an und bezeichnet sie als 1. rotwelsche Worte, die meist hebräischen Ursprungs sind, 2. als besonders bei den Frickhöfern 3. als besonders bei den Wilsenrothern gebräuchlich. Ich setze aus diesen drei Gruppen die Worte, die sicher oder vermutlich dem Hebräischen entstammen, hierhin. Selbstverständlich bin ich mir bewußt, daß ich mit meinen Ausführungen nichts Neues vortrage; sie sind aber dennoch gerechtfertigt, weil hier für eine Anzahl von Wörtern ihr Gebrauch für eine ganz bestimmte Gegend und in einer ganz bestimmten Aussprache bezeugt wird und hieraus wieder Schlüsse auf die Aussprache des Hebräischen bei den Juden dieser Gegend gezogen werden dürfen, vorausgesetzt allerdings, daß die fraglichen Worte gerade in dieser Gegend in den Sprachgebraach der dortigen Bewohner übergegangen sind. Die von Bach angeführten Wörter nun sind folgende: 1. Bajes (Haus), Goje (Frau), Katzulf (Metzger), Schix (Mädchen), mies (schlimm), acheln (essen), dippeln (gehen), schaskern (trinken), beschaskelt (betrunken); 2. Deffel (Kirche), Etz (Waid), Hayef (Schuld), Jajim (Wein), Kailef (Hund), Kone (Mann), Leachem (Brot), Leitzemer (vielleicht von Lez Spötter?2) Musikanten), Mautze (Brot), Sakem (Messer), Schaubert (von Schaufet? Bürgermeister), Zeilem (Kreuz), steckem (=Stikoh, still!) 8. Betzcher (wohl Verkleinerungsform von Bezoh, Eier), Mauchem (Stadt), Olem (Dorf), Sörof (Schnaps), lao (nein). Bücherschau. Im Jüdischen Verlag Berlin, soeben erschienen sind: Buber, M., Die jüdische Bewegung, und Achad-Haam, Am Scheidewege, 2. Band, übers, von Dr. H. Torczyner. Was Buber in seinen hier gesammelten Ansprachen und Aufsätzen über die jüdische Bewegung immer wieder als deren Kern und Wesen betont, die Pflege jüdischer Kultur, von Achad Haam wird es mit einer so klassischen Klarheit und Bestimmtheit und in so tiefschöpfenden Gedankengängen ausgesprochen, daß seine Worte dem Besten zugezählt werden müssen, was jüdischer Geist und herzliche Hingebung an das Judentum hervorgebracht haben. Sie bieten aber auch als schriftstellerische Leistung einen reinen Kunstgenuß. Der Uebersetzer hat sich darum einen doppelten Dank verdient. M. *) [Aehnlich wie in Handschußheim bei Heidelberg.] 2) [Vgl. „Lizon" bei Berliner, Aus dem Leben der deutschen Juden im M. A. (1900) S. 57 oder KlS zemer (Musikanten) z. B. diese „Mitteil.« 1908, S. 92. D. Red.]

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.