Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 19 (1916)
- Issue
- 1-4 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 68)
- Language
- German
- Belongs to
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— 66 — Adler seinen rechten Flügel, der Löwe streckte seinen linken Fuß aus usw. Es sollen dort noch andere Tiere gestanden haben u. z. in solcher Reihenfolge, daß die zahmen auf die rechte, die wilden auf die linke Seite zu stehen kamen. Als nach der Zerstörung des Tempels der Thron nach Babylonien gebracht wurde, wollte ihn Nebukadnezar besteigen, wurde aber von einem Löwen am linken Fuße verletzt. (Nach einer Version war es eine goldene Schlange. Eine andere Erzählung läßt ihn das rechte Bein brechen1). Dasselbe Geschick ereilte auch Pharao Nekho, der ja daher auch der „Lahme" heißt. Der Dämon Ornias soll den Oberaufseher des salomonischen Tempelbaues heimlich überfallen und ihm täglich das Blut aus dem rechten Daumen ausgesogen haben2). Zum Schlüsse sei noch das Sprichwort erwähnt: „Er kratzt dem rechten oir mit der linken Hand". Oder: „Polak, wo host de dei link Ohr". Da er gewöhnlich das linke Ohr mit der rechten Hand zeigt3). Poesie. Die jüdische Poesie bietet für unseren Gegenstand nichts Originelles. Sie übernimmt die Bibelstellen in ihrer einfachen Bedeutung, welche sie der Form halber den Umständen gemäß variiert, manchmal musiviert. Die synagogale Poesie holt ihren Stoff aus der Agada und Halacha, gebraucht daher auch die Formen und Wendungen so, wie sie aus den Quellen fließen. Auf die Bibelstellen und Quellen soll nicht wiederholt hingewiesen werden, da sie als bekannt vorausgesetzt werden. Unter rechts und links werden alle Himmelsgegenden verstanden, wenn Juda ha-Levi in einer Hymne von dem Gott umgebenden Himmelsheere singt: „Rechts und links läuft hin und her in Himmelshöhen Gottes Heer"4). In einem anderen Gedichte bittet er Gott, er möge dem rechts und links zerstreuten Volke wieder die alte Macht zurückgeben5). Der Selicha-Dichter klagt: Ich erhebe ringsumher meine Augen, blicke nach rechts und links, finde aber keinen Freund6). Ein anderer: Wir wenden uns nach rechts und keine Hilfe, nach links und keine Stütze7). Nach Jes. 9, 19 in anderen Worten: Wir wenden uns nach rechts und die Axt schneidet, Furcht kommt von links und *) Ma'seh Daniel in Oz. Midr. Eisenstein 98 a. 2) Salzberger, Salomos Tempelbau und Thron, wo alle Quellen angegeben sind. s) Bernstein, Jüdische Sprichwörter 2755. Mitteil. 1899, 43. 136. 4) ÜTMÖI tiian Ü^MÜI ÖWQito Brody, Divan III 290, 79. ß) Machzor Vitry 147. 6) ü^fit 7) Zum Bußtag des Neujahrs *p:£-) ">J-p.