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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1915-01-01 · 1-4 (1915) · p. Seite 64

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
19 (1916)
Issue
1-4 (1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 64 (sequence 66)
Language
German
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— 64 - Unter dem Ausdrucke refifah oder rifruf1) ist ini Neuhebräischen auch das Zucken oder Jucken der Glieder zu verstehen, das zu verschiedenem Aberglauben diente. Einige Beispiele mögen aus dem mystisch angelegten Midrasch Talpijöth hervorgehoben werden. Zuckt es in der rechten Seite des Gesichtes, kann man hohe Würde und Freude erwarten; in der linken Seite, darf man auch auf Ehre hoffen. Zucken im rechten oder linken. Ohr bedeutet wieder Ehre. Auch das Zucken beider Ohrenläppchen hat gute Bedeutung, aber im rechten Auge bedeutet es Weinen, im linken Freude'2). Ebenso der Winkel des rechten Auges Weinen, des linken das Gegenteil. Die rechte Augenwimper verspricht gute Nachricht, die linke einen gewonnenen Prozeß. Dasselbe gilt vom Augapfel des rechten Auges. Die rechte Augenwölbung läßt Freude erwarten, die linke Reichtum in Verlust geraten usw. Zucken im Gesichte hat hier schon eine andere Bedeutung erhalten. Ist es auf der rechten Seite, so wird man krank, auf der linken, steht Gewinn in Aussicht. Die rechte Seite der Nase bedeutet Schande, die linke Hoffnung auf Gutes. So wird bei allen Gliedern des menschlichen Körpers vom Scheitel bis zur Sohle dem Zucken in der rechten oder linken Seite gewisse Bedeutung zugemutet, selbst die Brust, das Herz, das Rückgrat bleiben nicht verschont3). Dementsprechend gibt es ähnliche Auffassungen auch bei anderen Völkern und in jüngerer Zeit. Uhland läßt das rechte Ohr dessen klingen, von dem man in seiner Abwesenheit Gutes spricht4). Bekanntlich ist dieser Aberglaube noch heute allgemein verbreitet. Die Wotjaken glauben, daß man das ganze Jahr hindurch glücklich leben werde, wenn man etwas mit dem rechten Ohr hört; wenn aber mit dem linken, so müsse man taub werden5). In Ostpreußen glaubt man, daß man besprochen wird, wenn die Wangen oder Ohren glühen; die rechte Seite bringe Unheil, die linke Freude. Während in Königsberg gesagt wird: Glühen der linken Backe bedeutet Tadel, der rechten Lob, oder: wenn man Hitze in der linken Wange spürt, wird man von Männern beklatscht, in der rechten von Weibern6). Andere an verschiedene Körperteile geknüpfte Vorbedeutungen: In Ungarn herrscht der Glaube: Wenn man an einem Finger der linken Hand einen gelblichen Streifen (Kerzenrauch) bemerkt, so stirbt ein weibliches Mitglied der Verwandtschaft; an den Fingern *) Ueber rpETs s. Grünbaum, Sagenkunde 321. 2) iTirp *p:2 gibt keinen Sinn. Es muß 'p-On heißen, welche Form j. Joma II 39 d 19 vorkommt, und daß hier dem rechten Auge schlechte Bedeutung beigelegt wird, rindet sich auch bei andern Völkern und auch hier beim Winkel oberhalb des rechten Auges heißt es schon rDl"1. 3) Midr. Talpij. 13 a s. v. □">'i3tt t|"nDl. 4) Am Ur-Qaell 1896, 128. 5) Das. 1893, 117. 6) Das. 1890, 123; 1892, 230.

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