Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 19 (1916)
- Issue
- 1-4 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
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— 63 — zuerst den rechten Schuh anziehen1). Bevor man aus dem Hause .geht, wird geraten, mit dem rechten Fuße außerhalb der Schwelle, mit dem linken innerhalb derselben zu stehen und zu sagen: Im Namen des Gottes Israel und im Namen des fc'bix, dann hat man keinen Unfall zu befürchten2). An die rechte und linke Seite knüpfen sich im Volksglauben verschiedene Vorbedeutungen. Willst du wissen, ob die Frau «inen Knaben oder ein Mädchen gebären wird, so beobachte folgende Zeichen: Ist die rechte Brust größer als die linke, so ist ein Knäblein zu erwarten, im umgekehrten Falle ein Mädchen. Wenn die schwangere Frau sitzt und aufstehen will, beobachte man: stützt sie sich auf die rechte Hand, ist es ein Knabe, auf die linke, ein Mädchen. Bewegt sich das .Kind im Mutterleibe zur rechten Seite, ist es ein Knabe, zur linken, ein Mädchen. Liegt die Frau während des concubitus auf der rechten Seite und sie wird schwanger, ist sicher ein Knabe zu erwarten. Diese Zeichen dürfen mit solcher Gewißheit angenommen werden, daß man im nötigen Falle schon vor der Geburt des Kindes alle Vorbereitungen zur Zirkumzision treffen kann8). Nach ungarischem Glauben ist ein Knabe zu hoffen, wenn in der Brautnacht der Mann zur rechten Seite der Gattin 5 ein Mädchen, wenn er zur linken liegt4). Das Jucken mancher Glieder gibt noch heute Anlaß zu verschiedenen Erwartungen. Jucken in der linken Hand bedeutet, daß man Geld erhalten werde; in der rechten, daß man noch denselben Tag Geld werde ausgeben müssen5). Galizische Juden glauben, daß Jucken in der rechten Handfläche bedeute, man werde Geld zählen6). Juckt das rechte Auge, wird man sich freuen; das linke, wird man weinen7). Krimmert das rechte Auge, wird man etwas gern sehen; das linke, bekommt man etwas Unangenehmes zu sehen. Es hängt aber manchmal auch von der Zeit ab. So sagt man in Oberschlesien: Juckt das rechte Auge am Vormittag, sieht man etwas Liebes, am Nachmittag, etwas Schlimmes. Das Umgekehrte gilt vom linken Auges). Die Ungarn wieder glauben, daß Jucken des linken Auges Freude bedeute9). Nach syrischem Glauben zeigt das Jucken der linken Augenbraue einen Feind als Gast an; der rechten eine schlechte Nachricht. Juden sagen: Pulsieren im rechten Auge eines Mannes sei gute, im linken üble Vorbedeutung; bei einer Frau umgekehrt10). ~~ i) Das. 1892, 329. 2) Kizzur Scheloh 33 b. 3) Von Eieazar aus Worms bei Güdemann, Erziehungswesen I 212. 4) Ethnographia XX, V, 295. 5) Am Ur-QuelL 1890. 64; 1892, 231; 1902, 41. 8) Das. 1893, 274. 7) Das. 1893, 74. 8) Das. 1892', 40. 9) Ethnographia 1912, 347. 10) Grünbaum, Sagenkunde, 84. ZDPV VII 97.