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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1915-01-01 · 1-4 (1915) · p. Seite 62

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
19 (1916)
Issue
1-4 (1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 62 (sequence 64)
Language
German
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— 62 — Eine gewisse Ordnung muß beim Kinde vom ersten Augenblicke seiner Geburt an streng beobachtet werden. Beim ersten Bade nimmt die Hebamme das Kind, mit der linken Hand den Kopf haltend, mit der rechten es benetzend1). Wird es zum ersten Mal gewickelt, soll es auf die rechte Seite gelegt werden, sonst würde es ein Linkshänder2). Beim Ankleiden muß man stets zuerst den rechten Arm und den rechten Fuß bekleiden, dann wird es nicht linkisch und tölpelhaft3). Wenn ihm die Mutter zuerst die Brust reicht, soll es die linke sein. Dies verordnet schon R. Jehuda der Fromme in seinem Testamente, und als Alexander der Große an die Weisen von Okphordakus(?) mehrere Fragen richtet, will er auch wissen, welche Seite des Menschen vornehmer sei, die rechte oder die linke. Bei uns die linke — lautet die Antwort — bei euch die rechte. Die linke ist darum vornehmer, weil sie näher zum Herzen liegt, das die Quelle des Lebens ist. Daher auch die Frau, wenn sie das Kind zum ersten Mai säugt, ihm zuerst die linke Brust reicht. Auch der König hält das Zepter in der linken* Hand4). Die Ursache liegt ohne Zweifel darin, weil man annahm, die linke Brust entwickle sich früher als die rechte, sowohl bei den Töchtern der Armen, wie auch bei denen der Reichen0). Auch Erwachsene sollen darauf achten, daß sie zu Anfang der Nacht auf der linken, dann auf der rechten Seite liegen6). Man soll sich hüten mit dem linken Fuße zuerst aus dem Bette zu steigen, da dies Aergernis bringt und man den ganzen Tag verdrießlich und unglücklich ist7). Steht man in der Früh auf der rechten Seite des Lagers auf, so ist dieser Tag glücklich. Man sagt auch von einem, der etwas von Wert gefunden: „Heute bist du auf der rechten Seite aufgestanden"8). Beim Ankleiden soll man erst den rechten, dann den linken Fuß bekleiden, beim Auskleiden zuerst den linken entkleiden9). Wer morgens zufällig ein Kleid auf der linken Seite anzieht, der wird sich berauschen, sagen die galizischen Juden10). Wer sieb aber vor Kopfschmerzen hüten will, soll beim Ankleiden *) Mitteil. 1908, 5. Gewiß schwebt da Hl. 2, 6 vor: Seine Linke unter meinem Haupte. 2J Am Ur-Quell 1894, 279. Ethnographia 1908, 99 ungarischer Brauch. *) Das. 1890, 151. 4j Brück, Rabb. Cerenionialgebräuche 81. Josippon, lat. Ausg. II 74. Bei den Ungarn wird ihm zuerst die rechte Brust gereicht, damit es nicht gelinkt werde, Etbnogr. 1908, 102. Der Patriarch Abraham wurde vom Ed gel Gabriel aus dem Zeigefinger der rechten Hand gesäugt. Beth-ham. I 26. 6) Nidda 48 b. Zwar wird da zwischen reich und arm ein Unterschied gemacht, aber die Rabbinen dürften Recht behalten haben, die die linke Brust sich früher entwickeln lassen, s. Krauss, Talm. Archäbl. II 24. G) Kizzur Scheloh 23 b, 39 a. 7) Mitteil. 1898, 81; Am Ur-Quell 1890, 65; 1902, 39. 8) Das. 1892, 255. 9) Das. 10) Das. 1893, 95.

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