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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1915-01-01 · 1-4 (1915) · p. Seite 60

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
19 (1916)
Issue
1-4 (1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 60 (sequence 62)
Language
German
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— 60 — Hündin geworfen hat; sie stelle den rechten Fuß auf einen kleinen Hund und sage dreimal: Nimm dir das Tote und gib mir das Lebendige. Dann nehme sie den kleinen Hund, lege ihn in ihren Schoß mit dem Kopf nach ihrer rechten, mit den Füßen nach ihrer linken Seite. . . lasse ihn in einen Fluß fallen und sage wieder dreimal das Obige1). Wenn ein Kind eine bis zur Krankheit gesteigerte Sehnsucht nach dem Vater fühlt, so nehme man einen Riemen vom rechten Schuh des Vaters und binde damit den linken des Kindes. Zum Zeichen dienen die Tefillin, wo auch mit der Rechten auf die Linke gebunden wird. Umgekehrt gemacht, droht Gefahr, daß das Kind noch größere Sehnsucht fühlen könnte. Ueberhaupt hat jeder Knoten auf der Linken zu geschehen2). Um den Todeskampf zu erleichtern, bat Moses seine Mutter, sie möge ihren linken Fuß auf seine linke Seite legen und beten.3) Zur Stärkung des Gedächtnisses schreibe man am Neumondstage des Nißan auf Hirschpergament das Wort und hänge es an den rechten Arm4) Auch eine Heuschreckenart wird zur Stärkung der Denkkraft und überhaupt zur Erlangung der Weisheit empfohlen. Man esse die rechte Hälfte, die linke lege man in ein kupfernes Rohr, versiegle es mit vielen Siegeln und hänge es an den linken Arm. Ist man schon weise genug geworden, soll die zweite Hälfte auch verzehrt werden, da sonst die bereits erlangte Wirkung wieder verloren geht5). Man hüte sich auch den linken und rechten Schuh zu vertauschen, weil dadurch das Gedächtnis geschwächt wird6). Zum Traumverlangen werden verschiedene Vorbereitungen und Gebete empfohlen, welche niedergeschrieben unter das Kopfkissen gelegt werden. Will man aber sicheren Erfolg haben, soll man auf der linken Seite liegen. Man kann aber auch gewisse mystische Namen auf die linke Hand schreiben, diese unter den Kopt legen und auf der linken Seite so lange liegen, bis die Antwort kommt7). Wenn man einen schlechten Traum hat oder etwas zu Verabscheuendes sieht, soll man dreimal nach links aus- *) Das. 1900, 63. -) Sabb. 66 b. tfStftotito "Http Sil bezieht sich auf Knoteti (d'niüp), die wie Amulette gegen Hexerei, böses Auge, oder zur Abwehr sonstiger Gefahren angewendet wurden und nicht nur — wie Blau sagt — von Kindern, sondern auch von Erwachsenen getragen wurden, wie dies schon die Mischnah mit fi"fi5 ^O"! bezeugt. Mir steht die ungarische Ausgabe zur Verfügung, wo die obige Talmudstelle übersetzt wird: Die Regel galt: Bei jedem Kinde ist die linke Seite zu verstehen. Dasselbe Vorgehen ist zu befolgen, sagt R. Chanane', wenn das Kind nach dem verstorbenen Vater an krankhafter Sehnsucht leidet. Blau, a. a. 0. 146. 3) Oz. Midr. 372 a. 4) Das Wort fc^tf, das in der Mystik eine große Rolle spielt, wird aus den Anfangsbuchstaben von i^ix "fl-i HPis* gebildet, ^-ft ist bloß Pergament und Hirsehpergament ist späterer Zusatz. Mitteil. 1907, 130; 1912, 43. 5) Sabb 90 b. Ueber ü'^'-D misss s. Lewysohn, Zoologie des Talmuds 287. 6l isKn mnfco 35 b. 7) Midr. Talpij. 214ff. s. mein „Traum in der jüd. Literatur" 24. Mitteil. 1903, 67.

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