Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 19 (1916)
- Issue
- 1-4 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
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— 59 — über den der anderen legt1). Der ungarische Volksglaube begnügt sich, wenn die Braut während der Trauung dem Bräutigam auf den Fuß tritt, ohne Eücksicht auf den rechten oder linken zu nehmen2). Der Volksmedizin ist es auch nicht gleichgültig, ob man mit dem rechten oder linken Körperteile operieren soll. Die Pulsfühlung soll stets am rechten Arm geschehen3). Im Winter lasse man zur Ader am linken, im Sommer am rechten Arm4). Gegen Fieber gibt es mehrere Mittel. Noch heute pflegt man einen Kornhalm auszureißen und diesen von links nach rechts durch den Mund ziehen, dann auf die Erde werfen5). Kehre das Hemd um den „linken ermel" zuerst und sprich: kehr dich hemde und du fieber wende dich. Dies sei drei Tage nacheinander vorzunehmen8). Gegen Nasenbluten: Kommt das Blut aus dem rechten Nasenloch, so binde man um den kleinen Finger der rechten Hand einen wollenen Faden; kommt es aus dem linken, so um den kleinen Finger der linken Hand7). Um einem Kinde das Zahnen zu erleichtern, läßt man ihm von einem Erstgeborenen mit dem kleinen Finger der rechten Hand das Zahnfleisch reiben8). Gegen Knochen oder Fremdkörper in der Kehle nehme man ein Gerät mit kaltem Bachwasser, stelle den linken Fuß ins Wasser und ein anderer flüstere ins Ohr: Eins, eins, geh hinunter, schluck, schluck, geh hinunter5). Von R. Juda ha-naßi wird ein Mittel gegen Diarrhoe überliefert. Man nehme ein Kraut und binde es auf des Patienten rechten Fuß. Die Wurzel soll ein Jude ausgraben, aber vorher ein Tauchbad nehmen10). Einen Epileptischen, wenn er den Anfall bekommt, steche man mit einer Nadel am kleinen Finger der rechten Hand, bis das Blut träufelt11). Gegen pollutiones wird geraten, die ganze Nacht auf der linken Seite zu liegen12). Gegen Unfruchtbarkeit der Frauen wird das Blut aus der linken Hand beider Gatten, oder aus dem linken kleinen Finger ungetaufter Kinder gebraucht. Dasselbe hilft auch gegen Fieber13). Einer Wöchnerin wird ein Zettel aus Hirschpergament aufs Haupt, ein anderer in den Mund, ein dritter in die rechte Hand gelegt. Einige Frauen beten dann: „auf meinen rechten Fuß tret ich" usw.u). Eine Frau, der die Kinder sterben, gehe an einen Ort, wo eine *) Am Ur-Quell 1890, 15. 2) Ethnographia 1909, 294. 3) Güdemann, ErziehuDgswesen in Italien 128. 4) Mitteil. 1900, 70. 5; Das. 1912, 47. 6) Am Ur-Quell 1892, 236. 7) Das. 1891, 177. 8) Mitteil. 1908, 11. 9J Das. 1912, 46, Sabb. 67 a: in in vm jfe vh^ PTD in in, wo aber die Prozedur mit dem Wasser fehlt; s. Blau a. a. O. 68. 10) Mitteil. 1912, 48. Ein Kraut guscbai ami ist unbekannt. 11) Am Ur-Quell 1894, 290. 12) Mitteil 1900, 61. ls) Am Ur-Quell 1892, 7 ff. 14) Mitteil. 1898, 92.