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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1915-01-01 · 1-4 (1915) · p. Seite 52

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
19 (1916)
Issue
1-4 (1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 52 (sequence 54)
Language
German
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— 52 — Wenn Abraham zu Lot sagt: „Laße doch keinen Streit sein? zwischen mir und dir . . . denn wir sind Brüder" (Gen. 13, 8)r so ist damit der gute und böse Trieb gemeint, die verwandt sindy einer zur Rechten, der andere zur Linken1). Gott neigte seine Eechte, und die Erde verschlang sie (Ex. 15, 12). Dies deutet einerseits darauf hin, daß Gott die Erde beschwor, die Egypter aufzunehmen; andererseits will die h. Schrift sagen, daß Gott die Rechte von der Linken absonderte, um das Gericht an den Egyptens vollziehen zu können2). „Deine Rechte, Gott, verherrlicht an Kraft" (Ex. 15, 6). Arabisch nennt man die Brust Köach (Kraft). Gottes Rechte liegt vor der Brust Israels, um den Angriff des Feindes zurückzuweisen, wie der Vater seinen Sohn verteidigt. Wird aber Israel abtrünnig, so legt er die Rechte auf seine Schulter, um es dem Feinde preiszugeben, wie es heißt: Er zieht seine Hand zurück (Thr. 2, 3)3). Im angeführten Verse wird zweimal von der Rechten Gottes gesprochen; die erste vertritt den rechten Arm,, den der Gnade, die zweite ist die des Gerichtes. Sie sind jedoch beide miteinander verbunden, denn auch bei der Ausübung der Strafe oifenbart sich die Gnade Gottes4). Auch bei der Errichtung des Heiligtums in der Wüste mußte das rechte und linke Prinzip zur Geltung kommen. Daher beteiligte sich an der Arbeit Bezalei, dem die rechte Seite gebührt, weil er — der Bedeutung des¬ Namens gemäß — im Schatten Gottes ist, und Ahaliab, der zur linken steht, weil er vom Stamme Dan kommt5). David bat Gott: „Laß mich, Ewiger, mein Ende wissen" (Ps. 39, 5). Er sagte nämlich zu Gott, daß es zwei Enden gebe: eines nach rechts, ein anderes nach links. Vom ersten sagt Daniel: Das Ende der Rechten (12, 13); vom zweiten Hiob: Er machte ein Ende der Finsternis (28, 3). Und wie Gott die Neugierde Daniels befriedigte,, daß er am Ende der Rechten und nicht an dem der Tage auferstehen werde, so ließ er auch David wissen, daß sein Ende das der Rechten sein werde, denn er sagte ihm: „Sitze zu meiner Rechten" (Ps. 1101)6). Auch Mohammed unterscheidet im Jenseits Gefährten der Rechten, das sind die Seligen, und Gefährten der Linken, die Unseligen7). An die Agada streift auch die Auslegung von Ps. 91, 7. „Tausend fallen an deiner Seite". Dies bedeutet die Linke, da ') Sithre Thora I 80 b. 2) Zohar II 59 b. 3) Das. III 201 a. 4) Das. III 142 b. 5) Das. II 222 a. Der Name wird in ^-^£2 aufgelöst. Der Stamm "phängt wieder mit ftj"H — Gericht zusammen, das auf die linke Seite gehört. S. noch 223 a, wo aus "in^O Ex. 38, 23 auf die Zusammengehörigkeit beider gefolgert wird und 236 a pft tfn rnirr?: ^1 fc&töttA a^tian btih^l s. auch Beracb. 55 a; Ex. r. 34, 1; Jalk. Ps. 842. 6) Zobar I 62 b f. 54 a 152 b. Ueber die Agada in bezug auf die Stelle s. oben. 7) Sure 5ß, 8. 9. ashäb ui-majmanäti und ashab ul-maschamäti.

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