Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 19 (1916)
- Issue
- 1-4 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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— 51 — foeitet diese nach kabbalistischem Muster und würfelt in überraschender Weise auf allen möglichen und unmöglichen Wegen -die entferntesten Gedanken zusammen. Halachische Beispiele wurden bereits angeführt, zur Agada gehört die kabbalistische Schriftauslegung, die inzwischen auch agadische Grundsätze und Sprüche aufnimmt. So wird z. B. der Grundsatz: Die Linke weise ab und die Rechte ziehe an — in vielen Beziehungen gebraucht. Gott hatte die Absicht, Israel zu vernichten, das ist die abweisende Linke, aber Moses bat um Gnade, das ist die anziehende Rechte. Das wirklich Moses Erlöser und Retter Israels war, wird im Worte n^fr* (Gen. 49, 10) angedeutet, das dem Zahlenwert von HTO entspricht1). Wenn Gott Israel richtet, so geschieht es von der linken Seite, damit er es mit der Linken abweise und mit der Rechten anziehe; die übrigen Völker aber weist er mit der Rechten ab und zieht sie mit der Linken zu sich2). Vom Gottesnamen TW bedeutet der erste Buchstabe Süden, der dritte Norden und der mittlere den Sohn. Daher wird gelehrt: Wer sein Bett zwischen Norden und Süden stellt, bekommt männliche Kinder, denn auch hier ist der Sohn zwischen Süd und Nord3). Wenn es vom Traume heißt, daß er ein Sechzigstel der Prophetie bedeutet, so liegt der Grund darin, weil er auf der sechsten Stufe nach unten steht, daher von der linken Seite kommt, und diesem Umstände ist es zuzuschreiben, daß sowohl Sünder als auch Heiden dieser Stufe der Prophetie teilhaft werden4). Auch zur Charakteristik der Exegese mögen einige Beispiele angeführt werden. Gott sprach: Es werde Licht und es ward Licht (Gen. 1, 3). Wenn es einmal steht: es werde Licht, wozu wiederholen: und es ward Licht? Jedoch das erste bedeutet das Urlicht, das ist die rechte Seite, während das zweite die linke ist, die aus der rechten hervorgeht. Daher weist das VPt auch auf keinen Segen hin, denn es ist der Ursprung der Finsternis, die die Oberfläche der Welt bedeckt5). Bei der Schöpfung des sechsten Tages sah Gott, daß es „sehr gut sei". 2t£ bedeutet die rechte, "NO die linke Seite, oder ersteres ist der Engel des Lebens, letzteres der des Todes6). Der ewige Gott schuf den Menschen (Gen. 2, 7). Der doppelte Namen Gottes bedeutet die rechte und linke Seite, oder den guten und bösen Trieb, ebenso wie im 22. Verse: „Der Ewige Gott baute die Rippe" auf den Vater und die Mutter, d. h. auf das männliche und weibliche Prinzip hingewiesen wird, das der rechten und linken Seite entspricht7). 1) Zusätze I 253 a noch ein anderes Beispiel. 2) Zohar II 27 a. Statt im steht iHE schlagen. III 173 b. s) Das. III 118 b. 4) ßerach. 57 b. Zohar I 191b 238 a. 5; Das. I 16 b, II 167 a. 6) Das II 68 b s. Gen. r. 9, 5. Iq der Thora R. Meirs stand mtt TID und das. 7 niü ist der gute, TOfc der böse Trieb, wie Einhorn erklärt. Es bedeutet aber auch die Hölle und wie an unserer Stelle den Todesengel, das. 9, 10. 7) Das. I 49 a. Gen. r. 14, 4. 4*