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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1915-01-01 · 1-4 (1915) · p. Seite 46

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
19 (1916)
Issue
1-4 (1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 46 (sequence 48)
Language
German
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— 46 — Eulogie gefordert werden, entsprechen den zehn Sephiroth. Wenn man ihn mit beiden Händen fassen soll, so wird damit auf die zwei Gottesnamen (Ex. 34, 6) hingedeutet, u. z. ist die obere Hand die Gnade, die untere die Stärke. Aber der Umstand, daß man den Becher mit beiden Händen fassen muß, will auch auf das Bett des Königs Salomo hinweisen, denn der Rechten und Linken entspricht Süden und Norden und dieses Bett stand zwischen Süd und Nord, wie der Becher zwischen der Rechten und Linken1). Das Tischgebet wird „Segen der Rechten" genannt, weil die Frommen und Sünder gleichmäßig des göttlichen Segens teilhaftig sind, daher gibt es da keine Linke. Hieraus erklärt sich auch, warum beim Becher die Linke der Rechten nicht zu Hilfe kommen darf, denn die von Gott gespendete Nahrung vertritt die absolute Rechte2). Auch der „treue Hirte" lehrt, daß unsere Nahrung vom Baume des Lebens kommt, an dem nichts von der bösen Seite haftet, während der andere Baum aus Gutem und Bösem besteht, daher die eine Hälfte süß ist, da sie von der rechten, die andere bitter, weil sie von der linken Seite kommt3). Die Seder-Schüssel ist nur dann vollkommen hergerichtet, wenn sie den kabbalistischen Baum treu darstellt. Zur rechten Seite ist Fleisch (Zeroa), Nüsse (Charoßeth). Diesen entsprechen: Gnade, Triumph; auf der linken Seite ist das Ei, der Eppich (Karpaß), welche Gericht oder Stärke und Glorie ausdrücken sollen; in die Mitte kommt bitteres Kraut und Lattich-Salat (Hazereth), die Schönheit und Basis andeuten. Die Schüssel selbst ist das Reich, die zehnte Sephirah4). Die zwölf Stämme richteten in der Wüste ihre Lager genau nach der Einteiluug der zehn Sephiroth auf5). Die Phylakterien haben auch keinen anderen Zweck, als die zehn Sephiroth darzustellen6) und die vier obligaten Becher am Passah-Abende bilden eigentlich die untere Gruppe des Baumes: Triumph, Glorie, Basis und Reich7). Daß die Mezuzah am rechten Pfosten der Türe angebracht werde, hat zwar mit den Sephiroth nichts zu tun, aber auch nicht mit der oben erwähnten Exegese, sondern beruht auf einem ganz anderen Grund. Es steht nämlich zur linken Seite der Türe ein Dämon, der auf sein Opfer lauert. Wenn der Mensch ins Zimmer tritt und zur rechten Seite den Gottesnamen an der Mezuzah sieht, verliert der Dämon seine Kraft. Was tut man aber beim Hinausgehen, wo der Dämon rechts vom Gehenden steht und Macht über ihn gewinnt? Zum Glück wird der Mensch zu seiner Linken vom bösen, zur Rechten vom guten Triebe begleitet. Kaum erblickt der Dämon seinen Jj Das. III 273 b, II 250 b. 2) Das. II 168 b. 3) Das. III 124b. 4) Moreh Beezba von Ch. J. D. Azulai 21. Mitteilungen z. j. Volksk. 1902, 140 aus Lurja's Ez Chajim. 6) Zohar I 241a III 118b. 6) Kaja Mehemna III 228a 264a. 7) Midr. Talpij. 164 a.

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