Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 19 (1916)
- Issue
- 1-4 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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— 45 — Nieren symbolisieren die ersten zwei Patriarchent). An der Mittelsäule haften die Rechte und Linke, d. i. Liebe und Kraft, wie am menschlichen Körper die beiden Arme, oder wie sich an den Körper des Adlers und der Taube die beiden Flügel knüpfen, wo die Gebote die rechte, die Verbote die linke Seite bedeuten2). Die Nase hat zwei Oeffnungen, von denen die linke das Gericht, die rechte die Guade vertritt. Durch die linke steigt Rauch empor, das ist der Zorn vom Herzen, das auch auf der linken Seite liegt; dagegen steigt zum Herzen von Seiten der Liebe der Geist hinab, um es zu beschwichtigen*). Die Seele (neschamah) weht in der Nacht durch beide Nasenlöcher, u. z. in der ersten Stunde durch das rechte. Wenn man das linke verstopft und die Luft im rechten beinahe erschöpft ist, so ist die erste Stunde abgelaufen. Verstopft man das rechte und atmet durch das linke: sobald auch hier der Atem auszugehen droht, so ist die zweite Stunde zu Ende. Diese Prozedur läßt sich fortsetzen, so daß man auch von Früh bis Abend die Zahl der Stunden anzugeben weiß4). Das Herz wird in zwei Kammern eingeteilt. Die rechte enthält das Blut des Lebens, welches sie den Adern zufließen läßt; die linke den Geist der Seele, die den Odem des Lebens spendet5). Die Bedeutung der Sephiroth beeinflußte auch mehrere Gebräuche im religiösen Leben. Vom Händewaschen war bereits die Rede. Da soll entweder die Linke zuerst auf die Rechte Wasser gießen, um den Vorzug der Liebe dem Gerichte gegenüber zu bekunden, oder aber es soll die Rechte erst auf die Linke gießen, weil diese stets von der Rechten empfängt und sich dann mit ihr verbindet. Hierfür spricht auch die Bibelstelle: Den Tisch gib auf die nördliche d. i. die linke Seite (Ex. 26, 35). Entschieden wird zugunsten der ersten Ansicht. Vielleicht ist es auch diesem Umstände zuzuschreiben, daß Ismaels Gattin ihrem Schwiegervater den Kopf erst auf der rechten, dann auf der linken Seite wusch6). Den Becher des Segens soll man mit beiden Händen fassen. Die Rechte hält ihn oben, die Linke unten, zwischen ihnen ist der Becher. Dies wird in der h. Schrift mit folgenrlen Worten ausgedrückt: Seine Linke ist unter meinem Haupte und seine Rechte umarmt mich. Hier ist zwischen beiden Häuden der Becher die verbindende Säule7). Die zehn Dinge, welche beim Becher der 1) Das. 10 a s. v. ÜV"DN. 2) Kaja Mehemna III 28a. s) Das. III 224 a, 227 b. im macht er aus rm Duft. 4) Sefer Cbocbmath ha — nefesch 6 a. 5) Das. 21 d. 6) Begründet wird die Ansicht, daß die Linke zuerst die Rechte wasche, damit, weil dadurch die Herrschaft der Rechten über die Lacke bezeugt wird. Zohar I 198b. Grünbaum, Neue Beitr. 108. 7) Zohar II 138b. Wenn der Becher in der Rechten ist, so gibt es Freude und Liebe, tritt die Rechte nach rücklings (Echa 2, 3), so ist der Becher in der Linken und es werden Klagelieder angestimmt ^N; J"D*"Q— Si^K sie müssen daher sich aneinander knüpfen, damit die Freude die Oberhand gewinne. Das II 143 b.