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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1915-01-01 · 1-4 (1915) · p. Seite 44

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
19 (1916)
Issue
1-4 (1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 44 (sequence 46)
Language
German
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— 44 — verbindende Kraft vertritt1). Die Notwendigkeit der Zusammenfassung dieser beiden Extreme im Lebenswandel eines jeden Menschen hat schon der Prediger mit folgenden Worten ausgedrückt: Alles, was deine Hand erreicht, zu tun mit deiner Kraft, tue, denn es ist kein Tun und Erfahrung und Wissen und Erkenntnis in der Gruft, wohin du gehst (9, 10). Deine Hand, das ist die Linke; deine Kraft, die Rechte. Wenn der Menschensohn dahin trachtet, daß all sein Tun und Lassen nach der rechten Seite gravitiere und daß die Linke in der Rechten enthalten sei, so wohnt Grott in dieser Welt bei ihm und nimmt ihn zu sich in jener. Der Mensch sage aber nicht: Wenn ich einmal in jener Welt bin, werde ich schon um Gnade bitten und Buße tun, denn es gibt kein Klügeln mehr, sobald man von hier abgegangen ist. Will der Mensch am Jenseits Anteil haben, soll er sich bestreben, diesseits alle seine Taten in die Rechte zu fassen2). Die Sünder verletzen daher -die obere Einheit, denn bei ihnen enthält die Rechte nicht die Linke, d. h. der böse Trieb wird nicht vom guten umfaßt, da sie nur dem bösen folgen3). Iu diesem Falle erhält sogar die Linke das Uebergewicht und umfaßt die Rechte4). Durch die Verbindung der Rechten mit der Linken, oder was dasselbe ist, des männlichen mit dem weiblichen Prinzip, wird der menschliche Körper zu einem kabbalistischen Baum, von dem Daniel sagt: Sein Laub ist schön und seine Frucht viel und Nahrung für Alle an ihm (4,9). Der Kopf ist die Krone, das Gehirn die Weisheit, das Herz der Verstand, beide Arme stellen Gnade und Gericht dar, die unteren Teile des Körpers vertreten alle übrigen Sephiroth und der Rumpf bildet die vermittelnde Säule. Nur wenn die beiden Seiten sich verbinden, kann Segen auf die Welt kommen, denn auch der Sabbat wird dadurch zu einem segensreichen Tag, weil die Matrone mit dem Könige sich vereinigen, zu einem vollständigen Körper werden5). Nach einer anderen Einteilung repräsentiert der Kopf den ersten Menschen, der rechte Arm den Patriarchen Abraham, der linke Isak, der Rumpf Jakob. Von den inneren Teilen: die Leber rechts, die Milz links Esau und Ismael, das Herz in der Mitte wieder Jakob. Auch die Lunge und die *) Aus infin Ex. 38,23 folgt der Grundsatz: bb^l imtf 8^)3101 *JöOtt *V>nn oder: tibs TO^Hin am KT ^fena II 220 b. 223a. Der^ Verfasser des Sohar läßt Juda bald von der rechten, bald wieder von der linken Seite kommen. II 27 a. 2) III 178a. a&ttttö fcO"Wl STJÖ^ "piT* imu.^ TmTr iJ) II 26 b. fiewnWsnK ^^»TöiKnwaö^ü xb^b NrniMD "pn^n. 4) II 162 b. III 24 a, 118 b fiöifci i$b fcöWn b^m fi&Wtt) 1W &K «tettö Kt&81 fi&Wttö y>tena aucn $b&nvb W II 257 a. Daß im Jenseits alle Verdienste des Menschen auf die rechte Hand geschrieben werden, Beth ham. V 48, ist auch auf diese obere Einheit zurückzuführen. 5) Zohar III 296a, Franck Kabbala 148. D. H. Joel, Die Religionsphil, des Sohar 303. Midr. Talpijoth 20a. So wird auch der Tierkreis mit dem, menschlichen Körper iu Verbindung gebracht. MS. 1915, 248.

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